Friedhofs-Visite in Freienohl - Wie wir unsere Verstorbenen ehren und achten

Auf unserem Waldfriedhof beginnen wir: mit unserem Besuch bei unseren Lieben, Verwandten, Freunden, Nachbarn, Kollegen…, dann gehen wir zur „Info-Show-Tafel: Die Zeichen-Sprache unserer Friedhofs-Bäume“ vor der Friedhofs-Kapelle und dann setzen wir uns auf eine Bank, allein, zu zweit, zu dritt… Freienohler Zusammenleben.

 

Diese Visite wird keine besinnliche Lesestunde sein. Vielmehr möchte diese möglichst gründliche Daten-Sammlung aus den Unterlagen, Akten aus dem Freienohler Amtsarchiv im Stadtarchiv Meschede, aus dem Pfarr-Archiv unserer St. Nikolaus-Pfarrei (ursprünglich im Pfarrhaus Freienohl), im Erzbischöflichen Archiv Paderborn, im Stadtarchiv Arnsberg und in den angegebenen Quellen Anlass für eine über 200 Jahre lange Visite durch unser Zusammenleben möglich machen.   Warum Visite? Weil eine Visite öfters gemacht wird. Weil eine Visite mehr ist als ein wiederholter Besuch. Weil „In Ewigkeit – Amen“, dieses deutsche und hebräische Fremdwort heißt übersetzt: „Auf zeitloses Glück – So sei es!“                                                      

 

Gliederung:

  1. Visite in unserer St. Nikolaus-Kirche.
  2. Visite auf dem ehemaligen Kirchhof, draußen um die Kirche herum.
  3. Visite auf dem Alten Friedhof, Totenhof, zwischen Pfarrhaus und Grundschule.
  4. Eine Visite auf dem Waldfriedhof, dem Neuen Friedhof, unterhalb des Küppels oder Auf´m Hahn wird hier mit einer Textfassung ausgespart. Gegründet von der politischen Gemeinde Freienohl am 1. Närz 1963. Die Friedhofs-Kapelle wurde 1965 erbaut.

Andere Namen für Friedhof: Kirchhof, Totenhof, Gottesacker.

Zu den Quellen-Angaben: AA und Nummer: zum Findbuch im Stadtarchiv = Amtsarchiv der Stadt Meschede, hier immer Abteilung Freienohl; PfA und Nummer zum Findbuch = Pfarr-Archiv St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl, Pfarrhaus, Findbuch auch im Stadtarchiv; EBAP = Erzbischöfliches Archiv Paderborn, Generalvikariat Meinwerk-Haus.

Unsere Visite

 

1. Visite bei Verstorbenen in unserer St. Nikolaus-Kirche

Zunächst stichwortartig einige Grund-Informationen:

Im Altar sind in einem ganz kleinen Gefäß noch kleinere Reliquien von zumeist einem Heiligen, einer Heiligen aufbewahrt. Dieser Brauch ist eine hohe Auszeichnung für den Verstorbenen. Reliquien sind sterbliche, besonders und ehrfürchtig aufgehobene leibliche Überreste hoch geachteter Christen.

Der Altar ist ein Symbol für Jesus Christus. Ein Symbol ist qualitativ mehr als ein Zeichen.

Auf dem Freienohler Altar-Fuß (auch Stipes genannt) sind bildhaft in Stein gemeißelt ein Gebirge, Feuerflammen, in ihnen ein Kreuz. Das soll bedeuten die Geschichte von Mose, dem Führer des Alten Volkes Gottes, mit Gott, mit dem Namen Gottes am brennenden Dornbusch: Jahweh (dabei sind auch möglich diese eingedeutschten Schreibweisen: Jachwech, Jehovah):; in der Einheitsübersetzung der Bibel steht dafür auf Deutsch: „Mein Name ist der ICH BIN DA“. Wer sich in der Philosophie und Theologie des 13. und 14. Jahrhunderts auskennt, für den ist diese Übertragung sehr lebendig. Noch viel lebendiger und erfahrungsreicher ist für Heutige diese Übertragung genau so richtig: "Mein Name ist: Ich war immer für euch da - Ich bin immer für euch da - Ich werde immer für euch da sein!" Der brennende Dornbusch “äußerlich” gesehen: ein Zeichen, ein Signal für das Alte Volk Gottes. Darin das Kreuz “innerlich” gesehen das Zeichen, das Signal für das Neue Volk Gottes, für die Christen, für Jesus Christus. Heutzutage (ausdrücklich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 – 1965) wissen und glauben Christen: die Juden sind unsere älteren Brüder und Schwestern,

Bevor ein Altar in einer katholischen Kirche für die Eucharistiefeier benutzt wird, wird er von einem Bischof geweiht: mit brennendem Feuer gereinigt als altes Zeichen für äußerste Reinheit (Reinheit ist qualitativ mehr als Sauberkeit), an den 4 Ecken sind je 1 Kreuz eingraviert, hinweisend auf alle vier Himmelsrichtungen, alles umfassend.

Die "Alte Kirche" ist ein Neubau nach der "Ganz alten Kirche"; von Pfarrer Bartholdus Pöttgen: 1753, am 23. Juni. (Einzelheiten zur Baugeschichte: „Festbuch“: 1753-2003: 250 Jahre Pfarrkirche St. Nikolaus Freienohl, S. 6 ff.) Das jetzige, geschichtlich und künstlerisch sehr wertvolle Kirchen-Portal ist gekauft worden vom damals „still gelegten“ Frauen-Kloster Odacker bei Hirschberg; denn gewichtige „Mitarbeiter“ von Pfarrer Pöttgen, der aus einer Mescheder Bau-Familie stammt, kommen aus jener Gegend. - Der Durchgang durch dieses Portal ist nicht ohne Symbolik: aus dem Alltag des Dorflebens über den Kirchhof, auf dem manche Familienmitglieder ruhen, hinein in das Gotteshaus, - oder umgekehrt in den Alttag hinaus.

Die Reliquien in der Alten Kirche waren ursprünglich von den angeblich 1 000, später sprach man sogar von 11000 Gefährtinnen der Hl. Ursula von Köln. Mit der Renovierung unserer St. Nikolaus-Kirche, mit dem Umbau des Altarraums und dem Abriss des Altars 1959 hatte der Erzbischof von Paderborn die Ursula-Reliquien als „inkonsekrabel“ bezeichnet, als nicht mehr würdig für den neuen Tisch-Altar. Bei der Altarweihe wurden eingefügt die Reliquien vom Hl. Candidus mit seinen Gefährten. Candidus war römischer Offizier wie der Hl. Mauritius und der Hl. Exsuperius. Mauritius war der Primicerius, der Anführer der Thebäischen Legion, die aus Afrika stammte. Das Martyrium der drei Offiziere ereignete sich am 22. September zwischen 280 und 300 bei Agaunum / Martigny (St. Moritz) in der Schweiz. Der Kaiser Maximianus Herkulius, ein „wüster“ Christenverfolger und auch sonst und politisch ein unangenehmer Zeitgenosse, ließ die aus der ägyptischen Thebais stammende, aus 6600 christlichen Soldaten bestehende Legion zuerst zweimal dezimieren (jeden 10. der in einer Reihe stehenden Soldaten mit dem Schwert töten) und dann die ganze Legion nieder hauen, weil die Legionäre die Mitwirkung an der Christenverfolgung verweigerten. - Dargestellt wird der Hl. Mauritius in militärischer Rüstung mit Körper-Panzer, Lanze oder Fahne, im Spätmittelalter (bei Matthias Grünewald) als bewaffneter Farbiger. - Reliquien eines farbigen Afrikaners in unserem Hochaltar, das ist schon etwas ganz besonders Auszeichnendes! Für unsere Gegenwart um 2015 mit Flüchtlingen aus Afrika.

Wir sprechen von der “Ganz alten Kirche”: bis 1753. von der “Alten Kirche”: bis 1886-1988, ab da von der “Erweiterten, jetzigen Kirche”. Skizzen stehen im “Festbuch” S. 25 oder in den beiden Ringbüchern „Kirchenführung durch unsere St. Nikolaus-Kirche“, die im Turm am Schriftenstand ausliegen.

Die Visite geht weiter:

Beim Neubau einer Heizungs- und Lüftungsanlage 1985 wurden u.a. zwei Grabstätten entdeckt. Man wusste aufgrund von Urkunden schon immer von ihnen:

- Das Grab der 12-jährigen Tochter des hessischen Kaiserlichen Wachtmeisters Matthias von 1634, mitten im 30-jährigen Krieg: Der Landgraf Wilhelm von Hessen hat, hatte mit den Schweden das Kloster Wedinghausen in Arnsberg belagert. (Das jetzige Stadtarchiv Arnsberg; hinter der Propsteikirche, links vom Gymnasium Laurentianum) Als “Bestechung” für eine solche, nicht übliche Bestattung erhielt der Pfarrer einen vom Wachtmeister geraubten silbernen Becher, der früher in der Hl. Messe nach der Hl. Kommunion gebraucht wurde. Der ist leider nicht mehr vorhanden. Das ursprüngliche Grab befand sich vom Haupteingang aus auf der rechten Seite, auf Bankhöhe direkt vor dem Quergang, über dem Heizungs-Lüftungsschacht; jetzt mit anderen Gebeinen unter dem Seitenaltar im rechten Seitenschiff, dem Olper Schiff. Das rechte Seitenschiff „gehörte“ den Olper Kirchgängern, die anfangs „nicht ganz“ zu Freienohl gehörten.

- Das Grab des Erbauers der Alten Kirche: Pfarrer Pöttgen (gestorben 1775) ist hinten bei der Hl. Franziskus-Figur (dem Vorbild für Bescheidenheit und Verzicht auf Macht und Macht-Gehabe), eben davor beim Ausgang des Heizungs-Lüftungsschachts. Hier stand früher das Taufbecken, für Christen "richtig" im Eingang zur Kirche. Das kann so begründet werden: Es kann ja sein, dass mal ein Pastor (mithilfe seines Kirchen-Vorstands und Pfarr-Gemeinde-Rats) hierher holt: direkt nach der Glas-Eingangstür die Menorah, den Siebenarmigen Leuchter, dem Symbol des Alten Volkes Gottes (ganz vorn zwischen Haupt- und rechtem Seitenschiff); dahinter das Taufbecken (ganz vorn im linken Seitenschiff), auch geöffnet als Weihwasserbecken; die vier letzten Bänke können umgestellt werden für die Tauf-Gemeinde. So kommt der Christ zum Gottesdienst der Eucharistiefeier und Anbetung Gottes ganz neu in die Kirche…

Beim Heizungsneubau sind beim Fußboden-Freilegen noch mehr Gebeine in der Kirche gefunden worden und zwar dort, wo vor dem Erweiterungsbau der jetzigen Kirche noch der ursprüngliche Kirchhof war: unter dem linken und rechten Seitenschiff, im Mittelteil davon und vor den Altarstufen. Einige Gebeine wurden mit einer Urkunde unter den jetzigen Seitenaltar im rechten Seitenschiff, dem Olper Schiff umgebettet. Pfarrer Werner Gerold (1983-200) hat oft an diesem Altar mit der kleinen Wochentags-Gemeinde am Dienstagabend die Hl. Eucharistie gefeiert, immer wohltuend vor allem für die Freienohler Eingesessenen. - Früher stand hier der dem Hl. Joseph gewidmete Seitenaltar (zu ihm Ausführlicheres s.u.) Noch mehr gefundene Gebeine wurden auf dem Waldfriedhof bestattet.

 

2. Visite auf dem ehemaligen Kirchhof draußen um die Kirche herum

Eine ganze Reihe historisch geordneter Informationen:

Im Jahr 1612 steht in einer Akte: "Ein bestimmtes Haus steht besonders nahe auf dem Friedhof nahe der Kirche." Unbekannt ist, welches Haus gemeint ist; es könnte ein "Beinhaus" gewesen sein. Eine Art Aufbewahrungsort für einen Verstorbenen vor seiner Beerdigung. Aufgrund der Akten-Notiz brauchte man nach 30 - 50 Jahren wieder Platz für neue Bestattungen. Freilich ist ein „Beinhaus“ eigentlich kein „richtiges“ Haus. (PfA A5)

1710: „Das anstoßende Beinhaus war abgebrannt.“ (Höynck: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Arnsberg, 1910, S. 272) Gemeint ist das Beinhaus bei der „Ganz alten Kirche“.

Im Jahr 1636 herrschte in Freienohl die "Große Pest". Manche Freienohler starben. Es gab das Gerücht: aus Angst vor Ansteckung seien die Verstorbenen außerhalb des Dorfs, auf dem Hohlknochen bestattet worden. Und wegen der begrabenen Knochen heiße der   Ort Hohlknochen Das kann nicht stimmen. Denn das Wort "Hohlknochen" ist für diesen "Ortsteil" am Mondsiepen älter. Hohlknochen hieß schon vor jener Pest das gesamte Waldstück ab der Langelbrücke bis unterhalb des neuen Waldfriedhofs, bis „Auf'm Hahn“. - Pfarrer Caspar Erlmann (Pfarrer in Freienohl: 1797-1806, vorher Kaplan und Religionslehrer in Meschede, geb. 1767 in Grevenstein) berichtet ziemlich ausführlich über Freienohl, auch über diese Große Pest, erwähnt aber nichts über Bestattungen auf dem Hohlknochen. Er kann das auch vergessen haben. - Überzeugend ist dies: zunächst die Vor-Information:: Der Weg von Freienohls Mitte den Hügel hinunter zur Langelbrücke, wieder hinauf Auf'm Hahn, vorher über das Mondsiepen, dann durch die Giesmecke zum Plackweg; endlich die uralte Verbindung von West nach Ost, oder von Ost nach West, oder auch direkt weiter nach Norden: Hirschberg, nach Soest oder nach Warstein. - Zur Haupt-Information: Im Mittelniederdeutschen Wörterbuch von Karl Schiller und Antonius Lübben, 1875 – 1881 steht auf Seite 285, Zeile 18-22 bei „hol“: „Höhle, Loch für den Wasserabfluss eine quer unter den Weg gelegte aus einem hohlen Baumstamm oder aus Bohlen oder Steinen belegte Öffnung.“ (www.mediaevum.de) Genau der Wasserabfluss für das Mondsiepen! - Das Wort „Hohlknochen“ wurde ursprünglich ohne „h“ geschrieben: „Holknochen“; das „o“ wird gesprochen so zwischen „ou“ und „au“, So geschrieben in einer Urkunde vom 15. Juni 1771. In ihr handelt es sich um Schuldverschreibungen zwischen Caspar Wil(e)ke mit seiner Ehefrau Elisabeth und Georg Geihsler mit seiner Ehefrau Maria Margaretha. Es geht um „einen halben Morgen Land auf dem Holknochen, stoßend mit einem Ende an Schwers und mit einem Ende an Vohses Land“. Unterschrieben vom „Freiheits-Sekretär“ Johannes Heinrich Ahsmann. (PfA A2)

Im Jahr 1737 steht in der Akte einer bischöflichen Visitation: "Der Friedhof ist rundum abgeschlossen." Gemeint war damals damit eine Mauer, wenn auch nur eine kleine, 50, 70 cm hoch, kein Zaun im heutigen Sinn. (EBAP XVIII b 16)

"Traufkinder" sind direkt an der Kirchen-Gebäude-Wand bestattete tot geborene, viel zu früh gestorbene, von den Eltern oder der Hebamme not-getaufte Kinder. Sie wurden durch das vom Himmel über die Traufe (es gab keine Regenrinne, deswegen) herab fließende Regenwasser getauft - im Volksglauben.

Am “10ten Brachmondes”, am 10. Juni 1785 gibt der Erzbischof von Köln und Kurfürst Maximilian Franz, der kirchlich und politisch auch für das kurkölnische Sauerland zuständig ist, aus seiner Residenzstadt Bonn die Order bekannt: Die Städte und Ortschaften sollen ihre Verstorbenen nicht mehr auf den Kirchhöfen bestatten, sondern außerhalb der Städte und Ortschaften. Er nennt keine Gründe, meint aber wohl hygienische. Auch in Friedhofsakten anderer Städte und Gemeinden ist nachzulesen, dass die Kirchhöfe in jenen Jahren nicht mehr vergrößert werden konnten – wegen dicht anliegender Häuser. Und manche Bestattungen wurden vorgenommen im zeitlich zu schnellen Abstand, zweifach, dreifach übereinander; vor allem bei Regenwetter und im Winter: Peinlichkeiten entstanden, Pietätloses wurde sichtbar.

Wichtig an diesem Datum – 1785 – ist auch, dass Ursprung dieses hygienischen Konzepts nicht Kaiser Napoleon war (wie heutzutage manchmal noch angenommen wird).

Am 20. Dezember 1785, ein paar Monate später, gibt der Kölner Kurfürst und Erzbischof Maximilian Franz von Österreich eine neue Order heraus (in heutiger Rechtschreibung): “An verschiedenen Orten Unserer Kurlande (Unseres Kurfürstentums) hat bis hierhin die Gewohnheit bestanden, dass bei Überbringung der Leichen von entfernten Orten zu den Kirchhöfen der ordentliche Weg nicht eingehalten, sondern die Leichen und Leichenwagen samt dem ganzen Zug über einen besonderen sogenannten Leichenweg durch Gras und Früchte, sogar mit Niederwerfung der Ufer und Zäune geführt worden sind. Da Wir aber diesen Missbrauch, wodurch den Äckern und Wiesen ein merklicher Schaden zuwächst (zugefügt wird), durchaus abgeschafft wissen wollen, so verordnen Wir hiermit gnädigst, dass hinfür (ab jetzt) alle und jede Unsere Untertanen bei Überbringung der Leichen zu den Kirchhöfen keines anderen als des gewöhnlichen Fuhrwegs sich bedienen sollen...”

Diese -zweite – Order betraf unseren Kirchhof nicht. Nach Süden, zum jetzigen Parkplatz, ging es damals etwas bergauf; nach Norden, über die jetzige Hauptstraße hinweg, hing es bergab bis zur “Alten Dorfstraße”. Und der Kirchhof war oft feucht und nass; eine Kanalisation gab es noch nicht. Unter dem jetzigen Altar- und Tabernakel-Raum, den es zur Zeit der Alten Kirche noch nicht gab, lief ein bescheidenes, aber beständiges Siepen.

Und die erste erzbischöfliche und kurfürstliche Order wurde bei weitem nicht sofort in die Wege geleitet. Zudem ist nicht bekannt, wann die Order Freienohl erreicht hatte, ein „Lesedatum“ ist in der Akte nicht notiert. Die politische Entwicklung half weiter. Der Kölner Kurfürst und Erzbischof stirbt am 27. Juli 1801. Das Herzogtum Westfalen, das kurkölnische Sauerland, wird 1802 Besitz des Landgrafen Ludwig X. von Hessen-Darmstadt. Die Hessen haben das Sagen. Das wurde an der Basis durchaus nicht immer mit Freude erlebt. Die Hessen schaffen eine ziemlich neue Ordnung. Das gilt auch für den Straßenbau, - auch „Kunststraße“ genannt - , für die neue Chaussee durch Freienohl, die Arnsberg-Beverunger-Chaussee. Manchmal schrieb man auch Arnsberg-Casseler-Chaussee. Damit gibt es auf dem Kirchhof keine Bestattungen mehr. Erstes Gelände für den neuen Totenhof, - dieser Name taucht in den Akten auf -, wird gekauft, von der Pfarrgemeinde. Sie ist – zeitüblich – Besitzerin.

(AA 213 Meschede, PfA A5)

Die “Alte Dorfstraße”, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, ging entlang des Hauses Höhmann / Winkelmann und – wer sich noch erinnert - des alten Pfarrhauses am Anfang der Twiete. Deutlich zu sehen ist das am Hauseingang von Höhmann / Winkelmann. Die Haustür führt direkt auf die “Alte Dorfstraße” und nicht zur Twiete. Ähnlich war das beim alten Pastorat, dessen Eingang lag freilich – wie sich das wohl gehörte – etwa 15 Meter von der Straße entfernt. Die Pastorat, das Pastorat wurde im Oktober 2009 abgerissen; die beiden „Geschlechter“: weiblich/die und sächlich/das sind grammatisch richtig; in Freienohler Akten des 19. Jahrhunderts wurde die weibliche Form. Der gesamte Verlauf der neuen Chaussee wird in einer anderen Textfassung dargestellt; hier geht es nur um den Friedhof. Die jetzigen Häuser zwischen der Alten Dorfstraße und der jetzigen Hauptstraße gab es da noch nicht. In den Jahren weit über den nächsten Regierungswechsel – Preußen – hinaus, brachte die neue Chaussee den Freienohlern auch viel Ärger durch manche militärischen Durchmärsche, mal von Arnsberg Richtung Brilon, mal von Brilon Richtung Arnsberg, immer durch Freienohl. Das Hin und Her marschierte sich zwar zügiger als früher. Aber die Einquartierungen waren auch sehr unangenehm und vergrößerten die Armut. Denn das Militär wollte auch versorgt werden. Der politische Wechsel von Hessen nach Preußen kam mit dem Wiener Kongress 1815, endgültig mit dem Staatsvertrag in Frankfurt am Main 1816: das Herzogtum Westfalen wurde preußisch.

Für den historisch genau Interessierten ist noch offen das Datum, wann denn nun auf dem alten Kirchhof die letzte und wann auf dem neuen “Alten Friedhof” die erste Bestattung war. Im Kirchbuch “Sterbelisten” steht auf den möglichen Seiten vom bestattenden Pfarrer keine Bemerkung, auch im Pfarrarchiv und im Erzbischöflichen Archiv Paderborn ist nichts zu finden (2009). - Dr. Wolf stützt sich in seiner Chronik “Freiheit Freienohl” auf die oben schon erwähnte “Geschichte der Pfarreien des Dekanats Arnsberg” vom emeritierten Pfarrer F.A. Höynck, 1910. Damals gehörte Freienohl kirchlich zum Dekanat Arnsberg. Höynck meint den jetzt “Alten Friedhof”: “Der Kirchhof (!) wurde 1820 statt des alten um die Kirche liegenden Begräbnisplatzes angekauft und seitdem mehrmals vergrößert. Von der Kirche ist er ein paar Minuten entfernt.” (S. 275) Fertig gestellt, gesetzlich, war 1820 alles. Wahrscheinlich früher, etwa 1810, 1814, 1816. Eine “Chaussee” war eine fachlich und behördlich beaufsichtigte, wohl auch vom Oberpräsidenten Ludwig Freiherrn Vincke von Arnsberg persönlich, eine “geschotterte” Straße, kein “Weg”. 1816, als die Chausse wenige Jahre fertig war, spricht jedenfalls die Post vom “preußischen Schnellkurs”, vom “Dahinschweben”, nennt den Straßenverkehr freilich auch noch “abenteuerlich und lebensgefährlich”.

Diese Daten über den Chaussee-Bau sollen die gewiss gleichzeitige Anlegung des neuen “Alten Friedhofs” deutlich machen.

Im Jahr 1805 berichtet der Arnsberger Justiz-Commissarius Gronarz, Richter beim Freiheits-Gericht Freienohl, über die umliegenden Häuser am Kirchhof. Er hatte auch direkt mit dem Chaussee-Bau zu tun: “Nach Norden 3 Häuser plus Pastorat, die vom Kirchhof ziemlich entfernt und niedriger als der Friedhof seien. Nach Osten: 4 Häuser, davon nur 1 = 5 Fuß (1,60 m) vom Tor des Kirchhofs entfernt, die übrigen = 20 bis 60 Fuß (6,40 m; 19,20 m) vom Friedhof entlegen. Nach Westen: 5 Häuser in einer Entfernung von 120 bis 200 Fuß (38,40 m; 64 m). Nach Süden die ganze Freiheit, etwa 70 Häuser, das kleine Haus.” In diesem Text werden die möglichen Besitzer-Namen dieser Häuser nicht genannt, weil auch nicht genau fest zu stellen ist, welche Häuser wirklich gemeint waren. Das mag dem Justiz-Kommissar Gronarz bekannt gewesen sein; zum Gerichtstag kam er regelmäßig nach Freienohl. (Maße für Preußen: 1 Fuß etwa 32 cm)

Einschübe, die zum Toten-Gedenken bei uns in Freienohl und auch zum Kirchhof um die „Ganz Alte Kirche“ herum geeignet sind

1801 gab es in Freienohl 67 Wohnhäuser (in Arnsberg: 252, in Meschede: 172, in Brilon: 406); 1818 gab es in Freienohl 78 Wohnhäuser und 824 Einwohner. - Am 21. Februar 1814 war die Pastorat abgebrannt und wurde 1815 neu gebaut.

1998: das Priester-Gedenk-Kreuz an der Süd-Seite der Kirche, zum Parkplatz hin, wurde mit dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand von Pfarrer Werner Gerold geplant, angeschafft; hergestellt vom Steinmetz-Künstler Gördes in Hellefeld.

1998: von diesen Beiden stammt ebenfalls die Toten-Gedenk-Leuchte an der Treppe zur Hauptstraße. Wenn ein Freienohler, auch ein nicht katholischer gestorben ist, wird Frau Elsa Feldmann informiert vom Bestattungsinstitut oder vom Pfarrhaus, zündet in der Leuchte eine Kerze an - bis zur Beerdigung oder 3 Tage bis zur Urnen-Bestattung. Beim Vorbeigehen – unten auf der Hauptstraße - kann nun leicht ein stilles Gedenken gebetet werden. (PfA PC = Pfarrer-Chronik)

Ein gewichtiges Gedenken ist das „Totengebet“: die Angehörigen eines gerade Verstorbenen, Freunde und vor allem Nachbarn kommen zusammen zum gemeinsamen Beten. Das ist immer und grundsätzlich an Gott, an den Dreieinigen Gott gerichtet und soll dabei für den Verstorbenen und für die Betenden auch gefühlsmäßig gut sein. Im Grund ist es ein sogenanntes Privat-Gebet, auch wenn es von mehreren gebetet wird, also kein kirchen-amtliches Beten mit dem zuständigen Pfarrer „an der Spitze“. Die nächsten Angehörigen haben für das gemeinsame Beten einen ihnen bekannten Vorbeter eingeladen. Seit Mitte der sechziger Jahre im 20. Jahrhundert findet dieses Totengebet in der Kirche am Vorabend der Beerdigung statt. So gut zehn Jahre davor wurde das Totengebet in der Kirche an drei Abenden gebetet. Und in den Jahren davor im Haus des Verstorbenen, der war im „guten Zimmer“ aufgebahrt. Dieser Brauch wurde aufgehoben, als sich aus dem Haus die Wohnung entwickelt hatte, die für eine größere, im Dorf übliche Trauergemeinde zu klein geworden war, und für das Weiterleben im Alltag.

 

3. Visite auf dem Alten Friedhof, anfangs auch Totenhof genannt

 

Zunächst ganz knapp:

Seine Lage ist bekannt: zwischen dem Pfarrhaus und der Grundschule.

Sein Anfang: zwischen 1800 und 1816. Schon bald und regelmäßig waren Erweiterungen notwendig. Die stehen in den Akten mit genauer "Ortsangabe": 1856 in Richtung Ruhr (die Konrad-Adenauer-Straße – vorher Graf-Gottfried-Straße geheißen - gab es ja noch lange nicht, nur landwirtschaftlich genutzte Grundstücke, Gärten), ferner 1877, 1887 nach Osten, 1891.

Nun ausführlicher:

Vom 5. März 1804: Aus dem Lagerbuch-Eintrag von Pfarrer Caspar Erlmann (in Freienohjl Pfarrer 1797 – 1808) Ein Lagerbuch listet auf die Geld-Einnahmen und -Ausgeben des Pfarrers, der manchmal äußerst sparsam mit dem Papier umgeht, manchmal nicht, manchmal auch mit persönlich wirkenden Notizen. Pfarrer Erlmann: „Der Graskampt (Name einer bestimmten Flur, eines bestimmten Landabschnitts; auch Kamp oder Kämpgen genannt) hinterm Pastorat nach Osten an Göers und Klaren, – und nach Süden an den Weg, Westen Jagers, Norden Klaren – Becker ...(ein paar nicht entzifferbares Wörter) ...habe ich obigen Graskampt (Graskampf) noch ein ober Winkelmann und Sassen gelegenes Wiesenplätzchen von Kaisers angekauft, welches ganz zwischen den Pastoratsgründen lag für (Geldbetrag nicht entzifferbar).“ - Leider fehlt hier die Aussage: „Gekauft für den neuen Friedhof.“ (PfA B3, S. 23 und S. 124 wohl nicht von Pastor Erlmann geschrieben, aber inhaltlich dasselbe, nur etwas kürzer gefasst.)

Einen etwas anderen Anfang für den neuen Alten Friedhof gibt es im Pfarrarchiv (PfA A 5) und im Amtsarchiv Freienohl (AA 1813): vom 5. Februar 1847 fast denselben Text; der im Amtsarchiv ist etwas ausführlicher, daraus hier ein Auszug: Beschluss der Gemeindeversammlung unter Vorsitz des Amtmanns Devivere und unter Teilnahme der Gemeinde-Verordneten Sasse, Düring, Trompetter, Geissler: Vom hochwürdigen Generalvikariat (Paderborn) war an den Herrn Landdechanten ein am 2. Oktober 1846 erlassenes Circular (Rundschreiben) und Betreff des Eigentums der Kirchhöfe und war vom hiesigen Ortspfarrer Herrn Sporkmann hier abgegeben und der darauf verlangte Beschluss der Gemeindeversammlung abzufassen. Die Gemeindeversammlung erklärte: „Der ursprüngliche Kirchhof des hiesigen Kirchspiels war bei der Kirche gelegen. Vor mehr als 40 Jahren wurde bei Anlage einer Kunststraße (also vor 1807, und: was heutzutage der Autobahn-Bau ist, war damals die ziemlich schnurgerade, nach genauen Bauplänen „konstruierte“ Chaussee) durch den hiesigen Ort ein großer Teil von dem Kirchhof zu der Straßenbauanlage genommen. Dadurch war die Notwendigkeit entstanden, den Kirchhof zu verlegen. Der hier gedachte um die Kirche belegene (gelegene) frühere Kirchhof gehörte damals sowohl als jetzt der Kirchengemeinde. Zur Beschaffung des Platzes zu dem neuen Totenhof wurde ein Grundstück von dem Caspar Cohsmann genannt Claren erworben. Derselbe verlangte jedoch dafür, durch ein anderes Grundstück entschädigt zu werden. Die Kirchengemeinde besaß indessen kein Grundstück, um dem Cohsmann gt. Claren in der verlangten Art zu entschädigen. Es verstand sich jedoch die politische Gemeinde dazu, dem Cohsmann für das von ihm zum Kirchhof abzugebende Grundstück ein anderes Grundstück als Eigentum unter der Bedingung zu überweisen, dass jeder des katholischen Kirchspiels Eingesessene 1 Taler bezahle und das Geld zur Gemeindekasse fließe, um damit sich für das Grundstück bezahlt zu machen.“ Das ist so geschehen. In späteren Jahren wurde es notwendig, den Kirchhof zu erweitern „und besser zu gestalten“. So wurde ein Grundstück-Teil des katholischen Pastorats zur Erweiterung benutzt, ohne Vergütung, weil die Besitzverhältnisse sich nicht geändert hatten. (AA 1813)

Am 16. Juli 1821 wird die Pfarrei St.Nikolaus Freienohl dem Erzbistum Paderborn übertragen; vorher gehörte sie zum Erzbistum Köln. Dieses Ereignis erschwert die Suche nach einem genauen Datum des Wechsels der Bestattungen vom Kirchhof zum neuen (Alten) Friedhof. (PfA 01)

Ein Einschub aus den Protokollen der Gemeinde-Versammlung vom 5. Februar 1847:

TOP 161: Den Totenhof zu Freienohl betreffend. Ein vom Hochwürdigen Generalvikariat an die hochw. Landdechanten unterm 2. Oktober v.J. erlassenes Circular in Betreff des Eigentums der Kirchhöfe war vom hiesigen Ortspfarrer Herrn Sporkmann hier abgegeben, um den danach verlangten Beschluss der Gemeinde-Versammlung abzufassen. Die Gemeinde-Versammlung erklärte: „Der ursprüngliche Kirchhof des hiesigen Kirchspiels war bei der Kirche belegen. Vor mehr als 40 Jahren wurde bei Anlage der neuen Kunststraße durch den hiesigen Ort ein Teil von dem Kirchhof zu der Straßen-Anlage genommen. Dadurch war die Notwendigkeit entstanden, den Kirchhof zu verlegen. Der hier gedachte um die Kirche belegene frühere Kirchhof gehörte damals sowohl als jetzt der Kirchengemeinde. Zur Beschaffung des Platzes zu dem neuen Totenhof wurde ein Grundstück von dem Caspar Cohsmann gnt. Claren erworben. Derselbe verlangte jedoch dafür durch ein anderes Grundstück entschädigt zu werden. Die Kirchengemeinde besaß indessen kein Grundstück, um den Cohsmann in der verlangten Art zu entschädigen. Es verstand sich jedoch die politische Gemeinde dazu, dem Cohsmann für das von ihm zum Kirchhof abzugebende Grundstück ein anderes Grundstück als Eigentum unter der Bedingung zu überweisen, dass jeder katholische Kirchspiels-Eingesessene 1 Taler bezahlen und das Geld zur Gemeindekasse fließe, um damit sich für das Grundstück bezahlt zu machen. Es hat hierauf jeder katholische Kirchhofs-Eingesessene den fraglichen 1 Taler bezahlt und ist mit dem Geld die politische Gemeinde für die dem Cohsmann gewährte Grundentschädigung befriedigt worden. In späteren Jahren trat die Notwendigkeit ein, den neuen Totenhof zu erweitern und besser zu gestalten. Zu diesem Ende wurde ein Teil von den an den neuen Totenhof grenzenden katholischen Pastorats-Grundstücken zu demselben und zwar ohne Vergütung hergegeben, weil das eine wie das andere katholisches Kirchspiels-Eigentum ist. Aus diesen angeführten Gründen kann die politische Gemeinde Freienohl keinen Anspruch wie den an den früheren um die Kirche belegenen, noch an den jetzigen Totenhof begründen und muss solche (Gründe für) den früheren Kirchhof sowohl als den jetzigen als ausschließliches Eigentum der katholischen Kirchengemeinde anerkennen.“ (AA 395)

Zu den in der Glasfabrik in der Giesmecke Verstorbenen:

Am 5. Mai 1845 „protestiert die (Civil-) Gemeinde-Versammlung gegen die Beerdigung der Verstorbenen auf dem hiesigen (Alten) Friedhof, weil die nicht zur hiesigen Pfarrei gehören und – nun der eigentliche Grund – nichts zur Unterhaltung (zum Unterhalt) des Friedhofs beitragen, auch nicht zum Toten-Läuten. Pfarrer Sporkmann soll sich der Beerdigung der Verstorbenen aus der Giesmecke enthalten.“ - Diese Verstorbenen müssten kirchenrechtlich in Calle beerdigt werden. Erzählt wird: in der Giesmecke, links vom Grundstück und Haus Bräutigam sollen in jenen Jahren in der Giesmecke verstorbene Familienangehörige, Arbeiter aus der Glasfabrik privat bestattet worden sein. Weg und Transport mit einspännigem oder zweispännigem Fuhrwerk und regnerisches oder winterliches Wetter konnten sehr hinderlich – und teuer sein. Bei aller Pietät. (AA 395)

Siehe auch unten noch Ergänzendes.

Bekannt ist das Jahr des Straßenbaus. In Gemeinde-Versammlungen geht es im Jahr 1850 um die „Instandsetzung der Friedhofsmauer“; damit war gemeint die „Vorgängerin“ der jetzigen Mauer zwischen Hauptstraße und Kirche. Am 10. April 1850 hat der Schuster Franz Lardon, 70 Jahre alt, erklärt: „1810 wurde die Chaussee angelegt und die Kirchhofsmauer gegenüber Raulf (Parzelle 721, Ecke Hauptstraße / Twiete) wurde höher gelegt. Die war vorher 5 oder 6 Tritte hoch, danach 14 Tritte.“ Tritt ist ein Höhenmaß für Treppenstufen; 1 Tritt etwa 18 cm hoch; also von 1,08 m bis zu 2,52 m. Der Beitrag von Franz Lardon ist glaubwürdig; er wird auch vom damaligen Schultheiß Franz Feldmann bestätigt. Der „Umkreis“ von Franz Lardon bestand aus in Freienohl achtbaren Personen: Hermann Spillert, Heinrich Assmann, Bernard Feldmann, Franz Feldmann, Franz Schröer gen. Kleinschmidt, Fritz Lenze, Johann Heinrich Schirp, Theresia Neise, Heinrich Sasse (Gemeindevorsteher, Gemeindeverordneter). Das geht hervor aus Trauungsregistern und Gemeinde-Protokollen. (AA 530)

In jenen Gemeindeversammlungen haben die Gemeinde-Verordneten mit dem Amtmann die Gerichtsverhandlungen mit dem Wegebau-Fiskus (mit der Finanz-Behörde des Chausse-Bau-Amtes) in Arnsberg vorbereitet. Darum geht es: wer bezahlt den notwendigen Mauerbau, die Gemeinde Freienohl oder „der Staat“? Aus dem Gerichtsurteil vom 7. Februar 1852: Im Namen des Königs. In Sachen der Gemeinde Freienohl als Klägerin gegen den Königlichen Wegebau.Fiskus, vertreten durch die Königliche Regierung zu Arnsberg... (Personen des Gerichts werden genannt) ...aufgrund der Akten und der mündlichen Verhandlung... Im Jahre 1810 wurde durch Freienohl die jetzt dort befindliche Kunststraße angelegt. Ein Teil des mit einer Mauer umgebenen Kirchhofs fiel in die Wege-Linie, die Mauer wurde hier weggenommen und es wurde von der Wegebau-Kommission (s.o. 1805, Gronarz) eine höhere Mauer errichtet... die jetzige zum Kirchhof führende Treppe habe statt der früheren 5 – 6 Tritte jetzt 14 Tritte. Die frühere Mauer sei in Kalk aufgeführt gewesen und habe eine lange Dauer versprochen; die neue sei aber mit Moos ausgefüllt worden, sei daher umso weniger im Stande , den ganzen Schutt der hinter ihr liegenden Erdmasse anzuhalten als die frühere, welche frei gestanden habe; daher soll denn die Folge entstanden sein, dass die Mauer an vielen Stellen ein zu stürzen drohe und eine neue Mauer erforderlich sei, statt dass, wenn die alte Mauer geblieben wäre, die Erbauung einer neuen noch nicht nötig sein würde.“ - Der Wegebau-Fiskus sollte die neu zu errichtende Mauer zahlen; der weigert sich. - Fortsetzung im Gerichts-Text: „Aus der damals (1810) vom Fiskus gemachten Anlage einer neuen Mauer kann durchaus nicht gefolgert werden, dass außerdem in Beziehung auf diese Mauer (1851/52) noch irgend eine Verbindlichkeit oder eine Last für die Zukunft übernommen werde... Die zehnjährige Verjährungsfrist ist daher längst vollendet.“ (AA 530, diese Akte von 1846 bis 1852 besteht aus 165 zumeist beidseitig geschriebenen Seiten)  

Eine etwas eigenwillige, aber nicht lange haltbare Argumentation steht in einem Gemeinde-Protokoll vom 17. Oktober 1851: Der Kirchhof ist normalerweise Eigentum der Kirchengemeinde, infolge des Chausseebaus 1810freilich Eigentum der (politischen) Gemeinde. - Am 27. August 1857 heißt es im – politischen – Gemeinde-Protokoll wieder: Der Kirchhof (gemeint ist der neue Friedhof) ist Eigentum der Kirchengemeinde. (AA 530)

Noch eine Anmerkung zum Grundstück-Kauf für den neuen Friedhof. Und bei dessen Erweiterungen tauchen diese Namen auf: Clarmann (= Claren), Spenschröer (Penschröer), Peters / Petersmann, Caspar Kohsmann gen. Claren, Franz Wrede, Trompetter, Witwe Krick gnt. Michels. Ein miteinander Vergleichen dieser Namen in den Kirchenbüchern: Geburtsregister, Trauungsregister, Sterbelisten zeigt, dass diese Freienohler miteinander verwandt sind und dass ihre Grundstücke am Rand oder außerhalb des Orts dicht beieinander, nebeneinander liegen, auch die Teile des Alten Friedhofs, (Eine Entfaltung dieser Familien-Verbindungen wird hier ausgespart. Nur dies: der Beiname „Claren“ hat nichts mit Schnaps, mit einem „Klaren“ zu tun; vielmehr hat ein Cohsmann – damit dann später auch ein Pöttgen – in die Familie Gaudenz Claren eingeheiratet, diese Familie Claren ist Anfang des 19. Jahrhunderts ausgestorben.)

Vom (politischen) Gemeinderat und dem Amtmann wurde noch einmal festgesetzt, dass der neue Totenhof der katholischen Kirchengemeinde gehört wie schon der Kirchhof rund um die Kirche. - Letzteres bringt dann noch mit sich Zeit übliche Schwierigkeiten, ja Ärgerlichkeiten.

Ab hier wird wieder – zumeist - die historisch orientierte Reihenfolge eingehalten.

Freilich, ob folgendes Zeichen des Zusammenlebens und einer eher offiziellen Trauerbegleitung noch in die Zeit des Kirchhofs oder schon in die Anfänge des neuen Alten Friedhofs gehört, ist offen. Aus der Sterbeliste der damaligen Kirchenbücher: Ab 1808 unterschreiben oder bestätigen mit ihrer Namensnennung jeweils zwei Freienohler, dass sie bei der Beerdigung dabei gewesen waren. Bis 1810 stehen hier die Namen für diesen Brauch der Pietät: Friedrich Hahse, Franz Erlmann, Caspar Cohsmann, Henricus Kaulmann, Franz Trompetter, Franz Hömberg, Caspar Tönne, Johannes Lenze, x. Spindeldreher, Caspar Schröder, Johann Schröer, Franz Bräutigam, Fritz Pöttgen, Caspar Stienberg, Caspar Flinkerbusch, Caspar Knickenberg, Caspar Vohshane, Caspar Köster. (PfA Sterbelisten)

Aus den „Sterbelisten“ Freienohls, die vom Pfarrer geführt werden. Beim Zusammen-Lesen der Sterbe-Daten im Nacheinander und im Nebeneinander mit dem „Alter“ der Verstorbenen und in Verbindung mit den Eltern kann ein bis in die Gegenwart reichendes Toten-Gedenken auftauchen:

1820: 21 Verstorbene, davon 12 Kinder (immer unter 15 Jahre).

1821: 18 Verstorbene, davon 12 Kinder.

1822: 28 Verstorbene, davon 11 Kinder.

Zwei besonders traurige Jahre: 1835 ab Oktober, bis 1836 Dezember: Für diese Zeit werden hier alle Verstorbenen genannt. Das Fragezeichen: ? bedeutet: nicht lesbar.

1835, 8. Oktober: Franz Wrede, 10 Monate, Sohn des Ferdinand Wrede, Tagelöhner.

1835, 21. Oktober: Joseph Spies, 2 Jahre, 6 Monate, Sohn des Jodokus Spies.

1835, 6. November: tot geborener Sohn des Matthias Sollmann.

1835, 28. November: Elisabeth Schröder, 1 Jahr, 8 Moante, Tochter des Adam Schröder.

1835, 28. November: Adam Pöttgen, 32. J., hinterlässt Ehefrau u. 1 minderjähr. Kind.

1835, 6. Dezember: tot geborener Sohn des Caspar Kessler, Tagelöhner.

1835, 9. Dezember: tot geborener Sohn des Friedrich Gundlach aus der Giesmecke.

1835, 9. Dezember: Franz Lenze, 2 J., 11 M., Sohn des Caspar Lenze, Ackerer.

1835, 14. Dezember: Fritz Köster, 3 J., 2 M., Sohn des Heinrich Köster, Tagelöhner.

1835, 15. Dezember: Johannes Trumpetter, 6 M., Sohn des Anton Trumpetter.

1835, 16. Dezember: Elisabeth Kersthold, 7 J., 8 M., Tochter des Franz Kersthold.

1835, 24. Dezember: Fritz Cohsmann, 1 J., 4 M., Sohn des Heinrich Cohsmann, Ackerer.

1835, 29. Dezember: Maria Catharina Schnapp, 36 J., nicht verheiratet

1836, 1. Januar: Ferdinand Leineweber, 4 J., Sohn des Franz Leineweber, Tagelöhner.

1836, 1. Januar: Franz Weber, 1 J., 5 M., Sohn des Caspar Weber, Ackersmann.

1836, 1. Februar: Johann Eberhard Gea...(?), 5 M., 17 Tage, Sohn des Franz Gea...(?), Schuhmacher.

1836, 10. Februar: Elisabeth Flimkerbusch, 12 J., 6 M., Tochter des Caspar Franz Flinkerbusch.

1836, 12. Februar: Nina Ständer, 1 J., Tochter des Friedrich Ständer, Glasarbeiter in der Giesmecke

1836, 19. Februar: Johannes Stirnberg, 1 J., 3 M., Sohn des Caspar Stirnberg, Ackerer.

1836, 13. März: ...(?) Flinkerbusch, 9 M., Tochter des Caspar Flinkerbusch, Tagelöhner.

1836, 5. Juli: Catharina Flinkerbusch, 10 M., Tochter des Caspar Flinkerbusch, Tagel.

1836, 27. Juli: Caspar Spieler, 12 J., 4 M., Sohn des Heinrich Spieler.

1836, 22. August: Heinrich Lenze, 77 J., Witwer.

1836, 24. August: Agatha Winkelmeier geb. Willeke, 71 J., Ehefrau.

1836, 27. September: Elisabeth Ganlöher (?) geb. Trumpetter, 68 J., Witwe.

1836, 3. Dezember: Johannes Friedrich Nuss (?), 22 J., Sohn des Tagel. Joh. Nuss (?).

1836, 7. Dezember: Bernard Wurm (?), 1 J., 1 M., Sohn des Franz Wurm (?), Tagelöhner.

1836, 18. Dezember: Georg Schröer, 69 J., Tagelöhner.

1836, 31. Dezember: Gertrud Köster, 9 J., 4 M., Tochter des Franz Köster, Schreiner.  

Die Häufigkeit des Kinder-Sterbens hat aufgehört. Auffällig: die Mutter des Kindes wird vom Pfarrer nicht angegeben.

1850: 28 Verstorbene, davon 14 Kinder..

1853: 16 Verstorbene, davon 3 Kinder.

1854: 32 Verstorbene, davon 13 Kinder.

1857: an der Seuche: die Rote Ruhr und aufgrund äußerst schlechten Wetters: 77 Verstorbene, 27 Jugendliche und Erwachsene; 50 Kinder, davon 19 Kinder im August und 15 Kinder im September. Siehe Sterbeliste.

Am 17. April 1838: Der Landrat von Arnsberg von Lilien erwartet vom Bürgermeister Koffler in Freienohl, dass er dafür sorgt, dass „die Eingesessenen jedes mal beim Grabmachen sich vorher bei dem Totengräber nähere Instruktion behufs (wegen) Anfertigung des Grabes einholen”. Der Bürgermeister antwortet am 27. April 1838 (u.a.), dass er sich darum kümmert und „dass jeder auf die kleinste Unregelmäßigkeit in Hinsicht der Anfertigung der Gräber ohne Nachsicht mit Ordnungsstrafe von 1 bis 5 Reichstaler geahndet werden würde”. (AA 1813)

Am 11. September 1841: Zum Verstehen wohl etwas lückenhaft: Bürgermeister Alberts an Pfarrer Sporkmann: „Der Beerdigung der gestern schlagartig gestorbenen verwitweten Gertrud Cohsmann geb. Weber steht nichts im Wege.“ Der Hintergrund für diese Notiz des Bürgermeisters ist nicht festgehalten. Vielleicht ist mit „schlagartig“ ein nicht erklärbarer Schlaganfall gemeint. (PfA A5)

Die Minister der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten der Königlichen Regierung in Berlin halten am 30. Mai 1844 zur Weitergabe an die Landräte fest: “Auch die im Staate aufgenommenen Kirchengesellschaften der verschiedenen Religionsparteien dürfen einander wechselweise in Ermangelung das Begräbnis nicht versagen.” Die Wortwahl und das politische Konzept “hinter” diesen Wörtern mag heutzutage (2009) zum Schmunzeln sein. Eigenartig auch: in diesem – hier abgekürzten – Erlass werden nicht mehr die Wörter “Kirchhof” und “Friedhof” benutzt, sondern “Gottesacker”. (AA 1814)

Die Gemeindeversammlung Freienohl und der Amtmann Devivere stellen am 5. Mai 1845 fest, dass die in der Giesmecke Verstorbenen auf dem Freienohler Kirchhof vom Pfarrer Sporkmann beerdigt würden, ohne dass sie zur hiesigen Pfarrei gehören und ohne dass die Bewohner der Giesmecke zum Unterhalt des Totenhofs und der Glocken beitragen, „womit hier nach dem Absterben und bei der Beerdigung für sie geläutet würde”. Man ersucht den Pfarrer Sporkmann, „sich in der Folge des Läutens für die Giesmecker Toten und deren Beerdigung auf dem hiesigen Totenhof zu enthalten”. Für diesen Beschluss bleibt unbekannt, ob das Abnutzen der Glockenseile, für deren Bezahlung die politische Gemeinde zuständig war, zu teuer war, oder ob der „Läutnant“, der Küster und zugleich Lehrer dahinter steckt und Extra-Bezahlung beansprucht. (AA 1813, PfA A5)

Zur Giesmecke: Manche verstorbenen Mitarbeiter und deren Familienangehörige, die in der Mühle und vor allem in der Glashütte in der Giesmecke gearbeitet haben, die zumeist keine Freienohler waren, vielleicht auch evangelisch oder auch arm, mittellos (für eine Beerdigung ganz in Calle! Dahin gehörte die Giesmecke damals.). Für die gab es einen “stillen”, nahezu privaten Friedhof in der Giesmecke, in Richtung Hirschberg links vor Bräutigam. Namen und Zahlen sind (noch) unbekannt. - Zum wohl besseren Verständnis: der Besitzer der Glashütte hatte für die Kinder seiner Arbeiter und Arbeiterinnen eine Schule mit einem Privatlehrer, also nicht von Arnsberg oder Freienohl angestellt, bezahlt, unabhängig (manchmal mit Problemen) von der Freienohler Schule eingerichtet. (Schule bedeutete damals in Freienohl: 1 oder 2 Klassenräume mit den Kindern der Altersstufen 10 – 14 Jahre). (Siehe Extrakapitel: „Unsere Schule in Freienohl“)

Die Rümker-Kapelle auf dem Alten Friedhof

 

Hier folgt eine Textfassung, die fast bis in die Gegenwart reicht. Die historisch geordnete Reihenfolge der Daten zur Geschichte der Rümker-Kapelle durch den gesamten Text wird nicht eingehalten. Denn so zusammengefasst wie jetzt zeigt gerade die Geschichte der Rümker Kapelle das Zusammenleben Freienohl, genau dem Leitwort unserer St. Nikolaus-Schützenbruderschaf: Glaube – Sitte – Heimat. Das macht schon die Textfassung dieses Abschnitts deutlich: er besteht aus Teilen von „B 4“ des Pfarr-Archivs der St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl; aus der bescheidenen und doch sehr kostbaren Broschüre „Kirchen, Kapellen, christliche Zeichen in der St. Nikolaus-Gemeinde Freienohl“, herausgegeben zum Pfarrfest am 5. und 6. Mai 1979 von der Firm-Gruppe IV 1978: 17 Mädchen und Jungen und ihren Firmhelfern Elisabeth Göckeler, Ingeborg Schwefer, Erich Adams, und Ludwig Schwefer; er zeichnet auch verantwortlich für die historisch korrekte Aufarbeitung dieses Textes. – Begonnen sei mit der Notiz von Pfarrer Steimann (1902 – 1916 Pfarrer in Freienohl), die er als loses Blatt in „B 4“ eingelegt hat. „B“ bedeutet: Buch, im Unterschied zu „A“ = Akte im Pfarr-Archiv Freienohl, angefertigt von Pfarrer Johannes Barthold Pöttgen (1732 – 1775 Pfarrer in Freienohl). Weil dieses B 4 ziemlich schwer zu entziffern ist, hat Pfarrer Steimann wohl so notiert: „Kapelle am Rümker Wege (Fachwerkbau). Diese Kapelle ist im Jahre 1848 abgebrochen und auf dem Kirchhof wieder aufgebaut worden; ausführlich siehe unten. Hl. Messe ist in derselben schon lange nicht mehr gelesen (so sagte man damals für: die Eucharistie feiern),zuletzt vielleicht um 1830, wie sich der älteste Mann hier noch zu erinnern meint. Steimann“. – Der Name dieses ältesten Mannes steht da leider nicht. Pfarrer Pöttgen: „Diese Capellen ist aufgerichtet worden im Jahre 1707 auf Unkosten des Ehrbaren (Titel!) Philipp Holzapfel Churfürstlicher Jäger (auch Bürgermeister von Freienohl) und Einwilligung seiner tugendsamen Hausfrouwen Guida Spenschröer zur Ehre Gottes, der allerheiligsten Jungfrau, des Hl. Antonius von Padua und des Hl. Hubertus.“ – Die Inschrift des breiten Querbalkens über dem Portal (in Großbuchstaben): „ZUR VEREHRUNG S.V. MARIA & ZUM HEILE DER HIER BEGRABENEN AUS DER RÜMBKE HIERHER VERSETZT IM JAHRE 1846 DURCH MILDE GABEN“ . „S.V.“ = sancta venerabilis = heilige verehrungswürdige. Diese Inschrift zeigt, dass die Kapelle früher in der Rümmecke stand und zar in dem dem Ortskern zugewandten Winkel zwischen dem Rümmecker Bach und der Ruhr. Möglicherweise stand an dieser Stelle eine Art Wachtturm oder eine ähnliche „Befestigungsanlage“. In Urkunden des 16. Und 17. Jahrhunderts gibt es - wahrscheinlich diese Stelle - die Bezeichnung „Rümpker Porte“, vielleicht ein bescheidenes Tor.

Akten-Auszüge: Akte Amtsarchiv Freienohl Nr. 394: Protokoll-Buch der Gemeinde Freienohl (ab 23. Januar 1844): Gemeindeversammlung: Protokoll Nr. 21, wöretlich übernommen. Amtmann war seit dem 5. April 1844: Freiherr von Devivere; Gemeinde-Verordnete (= Gemeinde-Versammlung): Kaspar Humpert, Heinrich Sahse, Anton Trompetter, Heinrich Düring, Georg Geihsler (seit dem 12. April 1844: Rendant).

„Baufälligkeit und Abbruch der Kapelle am Rümker Bach: Der Gemeindeversammlung wurde vom Amtmann bekannt gemacht, dass nach Relation des Gebäude-Taxators Kehsler hierselbst (also Adam Kehsler) die Kapelle am sogenannten Rümkerbache so baufällig sei, dass nicht einmal mehr am künftigen Sonntag dahin Prozession gegangen werden kann und daher entweder gehörig instand gesetzt werden oder abgebrochen werden müsste. Zugleich wurde dann die Versammlung darüber vernommen (= befragt),ob die Gemeinde Ansprüche an dieser Kapelle habe? Diese Frage wurde aber gänzlich verneint und bemerkt (= es wurde festgestellt), dass dieselbe dem Vernehmen und dem allgemeinen Anspruche nach, den Erben Holzapfel zu Völlinghausen, von denen noch ein Glied zu Oeventrop gehört, indem deren Großeltern oder Urgroßeltern dieselbe sollen haben aufbauen lassen und der Vater des jetzigen Holzapfel zu Oeventrop sie bis zu seinem Tod instand gehalten haben soll.“

Aus den Akten des Pfarr-Archivs (Pf A 5) informieren diese Daten weiter: Am 28. Juni 1844 wendet sich Amtmann Devivere an Pfarrer Sporkmann bezüglich „der Abtretung der am sogenannten Rümker Bach stehenden sehr baufälligen Kapelle durch durch die Geschwister Gaudenz und Gottfried Holzapfel in Oventrop an die katholische Kirchengemeinde in Freienohl. Die Pfarrei kann die Kapelle aufstellen, wo sie will. Holzapfel schenkt der Pfarrei außerdem noch 100 Stück Backsteine.“

Einschub: Personen-Daten z.T. aus dem Freienohler Trauungs-Register:

Philipp Holzapfel: geb. 1.5.1654, Münster, Vater: Anton Holzapfel, Münster, Mutter: Catharina (diese Daten: geb.- Catharina können falsch sein); verheiratet mit Guida Spenschröer, Freienohler Hoferbin; Kurfürstlicher Jäger; erster Richtmann der Freienohler Schützen Schützenbruderschaft, stiftet 1707 die Rümker Kapelle. Philipp Holzapfel ist Trauzeuge am 9.2.1706 bei Theodor Spenschröer mit Margaretha Hövermann. Auch noch Trauzeuge in den Jahren 1711 (3 x), 1712, 1713, 1721, 1722, 1724, 1726, 1729, 1730, 1735, 1736, 1737, 1738.

Philipp Holzapfel dim. (dimittitur: kirchenrechtlich geschickt von hier), verheiratet am 30.7.1714 mit Catharina Söhren aus und in Herblinghausen.

Gaudenz Hpözapfel gen. Spenschröer dim. von hier, verheiratet am 11.5.1727 mit Anna-Marie Kneyer.

Maria Gertrud Holzapfel dim. nach Pfarrei Hirschberg, heiratet am 9.10.1739 Gerhard Hummelsdorf.

Franz Holzapfel heiratet 17.6.1742 Anna-Maria Cappius.

Caspar Holzapfel heiratet 24.3.1774 Elisabeth Pöttgen aus Wildshausen, Trauzeuge Franz Holzapfel.

Friederica Holzapfel heiratet 1.8.1801 Franz Feldmann.

Elisabeth Holzapfel heiratet 16.10.1802 Ferdinand Tönnen (bis 1900 keine weiteren Daten zu Holzapfel im Trauungs-Register).

 

Am 1. Juli 1844 teilt Amtmann Devivere dem Pfarrer Sporkmann mit, dass die Kapelle in einem baufälligen Zustand ist; sie werde binnen 6 Wochen abgebrochen oder muss von neuem wieder aufgebaut werden. – Die 6 Wochen dauern länger. –

Am 13. Januar 1846 (erst!) erneuert Amtmann Devivere dem Pfarrer Sporkmann gegenüber seine seine Mitteilung vom 1. Juli 1844 und schreibt weiter, dass „es wirklich allen Vorübergehenden einen Skandal bietet, dass ein Gotteshaus so sehr dem Verfall ausgesetzt bleibt. Deshalb muss er darum bitten, binnen 14 Tage die Kapelle abzubrechen.“ In dieser Akte steht oben eine handschriftliche Notiz: „ 1707 gebaut, 1847 abgerissen.“ In der einen oder anderen Überlieferung soll ein Dechant – aus Arnsberg? – sehr geschimpft haben; wahrscheinlich auch Lesefehler. Die Freienohler reagierten gelassen und stark: Mit der Zustimmung von Pfarrer Sporkmann luden sie, - laut mündlicher Überlieferung -, „das Bauwerk als Ganzes, ohne es abzubrechen, kurzerhand auf mehrere Fuhrwerke und transportierten es zu dem Totenhof.“ Die Rümker Kapelle ist dort – repariert – aufgebaut worden.

Das liest sich im „Protokollbuch“ der Gemeinde Freienohl vom 8. Februar 1848, Nr. 20 so (AA 399): „Der Gemeindeversammlung wurde vorgestellt, dass die früher an der Chaussee von hier nach Oeventrop gestandene Kapelle von den Erben Holzapfel der Gemeinde Freienohl behufs Errichtung derselben auf ihrem Totenhof geschenkt worden sei. Wegen Errichtung der fraglichen (gemeinten) Kapelle auf dem Totenhof haben der unterzeichnete Amtmann (Freiherr von Devivere) mit dem Schreinermeister Heinrich Sagse den Accord (die Vereinbarung) getroffen, dass derselbe die Arbeit für 25 Taler ausführe. Der Sagse habe nachgewiesen: 28 Taler, 29 Silbergroschen zu der fraglichen (tatsächlichen) Arbeit verwendet zu haben, außerdem eine Menge Holz dazu geliefert und für seine Arbeit nicht berechnet zu haben. Die Gemeinde-Versammlung beschloss, den zwischen dem Amtmann und dem Heinrich Sahse getroffenen mündlichen Vertrag, wonach dem letzteren für die Versetzung der fraglichen (erwähnten; hier wohl eine zeitlich übliche leere Worthülse) Kapelle von der Chausse nach Oeventrop auf den hiesigen Totenhof 25 Taler bezahlt werden sollen, nicht nur zu genehmigen, sondern dem Sahse außerdem noch 3 Taler 29 Silbergroschen zu bewilligen, welche zu zahlen noch rückständig stehen, und zwar an den Schieferdecker Knickenberg mit 2 Taler 21 Silbergroschen, Franz Küster mit 18 Silbergroschen, Georf Schröder mit 18 Silbergroschen.“ – Angemerkt sei: Die hier genannten 4 Freienohler werden diesen Transport nicht allein geleistet haben; Schreinermeister Heinrich Sahse hatte gewiss seine zu bezahlenden Mitarbeiter.

Zum Wort Totenhof: gemeint ist der später so genannte Alte Friedhof. Kirchhof hieß der Friedhof direkt rund um die Kirche.

Bis 1895 steht nichts in den Gemeinde- und Pfarr-Akten.

Erst am 17. Mai 1895 gibt es etwas Neues zur Rümker Kapelle, etwas dagegen, gegen sie. Waren Instandsetzungsarbeiten, Reparaturen notwendig, die sich nicht mehr lohnten, die nicht mehr sinnvoll zu sein schienen? Dazu war Akten-Material im Gemeinde-Archiv und im Pfarr-Archiv – also politisch und kirchlich -, nicht zu finden. Bekannt ist aber die peinliche Verscherbelung altehrwürdiger Gebets- und Kunst-Schätze in der Freienohler Pfarrkirche. Erinnert sei nur an die Barock-Figur der Schmerzhaften Muttergottes (wohl zwischen 1716 – 1740 geschaffen). Die war dank des Glaubensbewusstseins der eingesessenen Freienohler Familie Peetz vor der Vernichtung gerettet, zuhause aufbewahrt, am 13.12 1959 wieder gegeben worden; unsere Schmerzhafte Muttergottes konnte schnell – 1963 – unter Denkmalschutz gestellt werden beim Westfälischen Amt für Denkmalschutz in Münster; leider ging der Denkmalschutz am 13.11.2003 aufgrund unsachgemäßer und unzulässiger Behandlung durch den derzeitigen Kirchenvorstand verlosen (Befestigungs-Methode der Figur an der Grund-Säule).

Wieder zur Rümker Kapelle: Im Pfarr-Archiv (PfA 5) liegt vom 17. Mai 1895 dieses vor: „Neubau-Kosten einer Kapelle auf dem hiesigen Friedhof von Fritz Göckeler mit 1.752,92 Mark.“ Und eine Skizze von Prof. J. Kleesattel in Düsseldorf; Innenmaße: Länge 7,50 Meter, Breite 4,50 Meter. Diese neue Kapelle ist nie gebaut worden, aus welchem Grund nicht, das ist in den Akten nicht gefunden worden.

Ein Zeitsprung: Am 4. Oktober 1947, - also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg -, genehmigt Amtsdirektor Hahne die Widerinstandsetzung der Friedhofskapelle, der Rümker Kapelle, „damit dieselbe vorläufig als Leichenhalle benutzt werden kann“. Die beiden Fenster-Nischen de3r Kapelle erhielten 1948 neue, in Blei gefasste bildliche Darstellungen der „Grablegung Jesu“ und der „Auferstehung Jesu“. Die schuf der aus seiner Heimat Schlesien vertriebene und in Freienohl lebende Kunstmaler und Graphiker Martin Pauzsch (geb. 21.10.1905, gest. 27.2.1964 (siehe: freienohler.de). Er wohnte damals im Hotel Bracht in der Von Steuben Straße 3 (so hieß nach dem Zweiten Weltkrieg die Hauptstraße). Seine Rechnung an die katholische Pfarrkirche beträgt für „Entwürfe, Herstellung, Ausführung 1.100 RM“ am 28. Mai 1948.

Am 15. August 1950 genehmigte Amtsdirektor Hahne dem Pfarrer Dolle wieder eine Renovierung der Kapelle.

Eine weitere größere Renovierung wurde1978 vorgenommen.

Im Jahr 2003 hat die St. Nikolaus-Schützenbruderschaft Freienohl die ehrenamtliche Patenschaft für unsere Rümker Kapelle auf unserem Alten Friedhof übernommen, - ganz getreu ihrem Konzept und Leitwort: Glaube – Heimat – Sitte.

Soweit zur Rümker Kapelle auf unserem Alten Friedhof.

Fortsetzung der Friedhifsgeschichte im Lauf der Jahre

 

Die Wegebau-Verwaltung der Königlichen Regierung in Arnsberg erklärt am 3. Juli 1850, dass sie nicht zulässig ist für die Kirchhofsmauer in Freienohl. Gemeint ist hiermit eine „Vorläuferin“ der jetzigen Mauer zwischen der Arnsberg-Beverunger-Chaussee und dem hoch gelegenen Kirchplatz, dem ehemaligen Kirchhof. (AA Nr. 1812)

Am 29. März 1851 erhält der Freienohler Amtmann Devivere vom Arnsberger Landrat von Lilien zur Information ein Schreiben, darin steht die Meinung, Überzeugung des behördlich zuständigen katholischen Pfarrers Münstermann von Neheim, die Erlass-Ordnung von 1844 (s.o.) sei inzwischen ungültig und stimmt nicht nach Rücksprache miz dem katholischen Bischof. Der katholische Pfarrer habe dem evangelischen Geistlichen üner den Polizeidienst den Friedhofsschlüssel für eine evangelische Bestattung auszuhändigen. Diese Praxis wird 1852 vom Oberpräsidenten von Westfalen in Münster ausführlicher wiederholt. (AA Nr. 1812)

Doch leider schon eine Schwierigkeit: Am 2. April 1851: Die evangelische Witwe Luise Wiedemann, die Schwiegermutter des Kaufmanns Hirschberger ist gestorben. Sie soll auf dem katholischen Friedhof beerdigt werden nach evangelischem Ritus vom evangelischen Pastor Bertelsmann aus Arnsberg. Der katholische Pfarrer von Freienohl Franz Anton Sporkmann gestattet das nicht. Das Verhalten, von einem Besitz etwas abzugeben, kannte er nicht. „Bertelsmann hat unseren Beistand in Anspruch genommen“, reagiert die Königliche Regierung in Arnsberg, Abteilung des Inneren (zusammengefasst): „Gesetzliche Weigerungsgründe stehen dem katholischen Pfarrer nicht zur Seite, indem selbst, wenn der dortige Kirchhof Eigentum der katholischen Kirchengemeinde sein sollte, was noch nicht erwiesen ist aufgrund der Verordnung vom 15. März 1847, die Beerdigung stattfinden würde. Wir weisen Sie (den Freienohler Amtmann von Devivere)daher an, darauf zu wachen, dass dem von dem Bertelsmann vorzunehmenden Begräbnis kein Hindernis entgegen gestellt werde, ...durch zeitig vorzubereitendes polizeiliches Einschreiten kräftigst zu begegnen,...dass die dem kirchlichen Begräbnis vorangehenden Vorbereitungen, als das Grab Machen usw., ungehindert vorgenommen werden...“ Wie dann diese Beerdigung vonstatten ging, war in den Akten nicht zu finden. (AA 1812)

Vom 4. April 1851 steht in einem Schreiben von der Regierung in Arnsberg an den Freienohler Amtmann Devivere, dass „kürzlich zu Neheim ein ähnlicher Fall vorgekommen“ sei. (AA 1812) - Jetzt – 2009 – muss wenigstens erwähnt werden, dass die gegenwärtigen ökumenischen Lebensgefühle und Verhaltensweisen nicht auf die damaligen Jahre zurückdatiert werden dürfen.

Im Datum vorgegriffen, inhaltlich hierher passend: Ähnlich schwierig war es auch noch 8 Jahre später bei der Beerdigung des evangelischen Christen Kaufmann Hirschberger. (s.u., AA 1813)

Auf dem Amt beschwert sich am 3. Mai 1851 Franz Caspar Cohsmann gnt. Claren, dass „der hiesige Kirchhof dieses Jahr (3. Mai!) nicht beschnitten werde“. Das schadet seinem eigenen darüber liegenden Grundstück. „wodurch ihm nicht unbedeutende Nachteile zugefügt werden“. Cohsmann bat um die baldige Beschneidung der Hecke. (AA 1812)

Am 11. und 14. Juni 1851: Für Cohsmann gnt. Claren sind Unklarheiten vorhanden hinsichtlich der Grundstücksregelungen zum Totenhof (s.o. 5.2.1847). Vom Amtmann Devivere wird der Schultheiß Feldmann gebeten, zu erklären, an was er sich erinnern könne: Die Vergrößerung des Totenhofs im Zusammenhang mit Cohsmann gnt. Claren fand statt 1823 oder 1824. Es ging um die Parzellen Flur I Nr. 448 und 754; Cohsmann gnt. Claren erhielt Parzelle Flur I Nr. 480. „Noch einige Jahre nachher“ ist Cohsmann gnt. Claren von den „katholischen hiesigen Eingesessenen entschädigt worden, was dem fraglichen Grundstück gleichkommt“. (AA 1912) (gt. oder gnt. = genannt. Der Beiname Claren hat nichts mit Schnaps zu tun; ein Cohsmann hatte im 18. Jahrhundert in die Familie Claren eingeheiratet; die starb Anfang des 19. Jahrhunderts aus.)

Am 22. Juli 1851, am 5. und 11. November 1851 bestätigen die Königliche Regierung Arnsberg, die Abteilung des Innern und der Landrat von Lilien dem Kirchenvorstand in Freienohl, dass der Kirchhof in Freienohl Eigentum der katholischen Kirchengemeinde ist; Grundsteuer-Kataster Flur I Nr. 448, 746, 754 und 713. (AA 1812 und EBAP Acta specialia 1836-1933; EBAP = Erzbischöfliches Archiv Paderborn).

Am 12. Januar 1856 bittet Pfarrer Brand den Freienohler Bürgermeister Thüsing bezüglich des Kirchhofs um eine Informationshilfe: „Euer Wohlgeboren ist bekannt, dass ich es für notwendig erachte, Repräsentanten für die hiesige Kirchengemeinde wählen zu lassen, welche die Beschaffung der Kosten für verschiedene dringende Bedürfnisse insbesondere für den Ankauf von Grundstücken zur Erweiterung des jetzigen Kirchhofs zu besorgen haben. Nach vorschriftsmäßiger Publication (Bekanntgabe) von der Kanzel hatte ich zu diesem Zweck den Termin auf den 16. vom Monat anberaumt. Es waren auch die meisten Mitglieder der Gemeinde erschienen. Als aber die Wahl beginnen sollte, wurde auf Anraten des Caspar Cohsmann gt. Dreher und des Caspar Kehsler gt. Willeken, welche behaupteten, die politische und nicht die kirchliche Gemeinde sei zur Herstellung eines neuen oder der Vergrößerung des jetzigen Kirchhofs verpflichtet, die Wahl verweigert. Euer Wohlgeboren ersuche ich nun um gefällige Erklärung, ob die Gemeinde bereit ist, für den Totenhof zu sorgen (aufgrund der Wortwahl ist wohl die politische Gemeinde gemeint). Da die Sache sehr eilig ist, so bitte ich, die Vorstandsmitglieder (die Gemeinderatsmitglieder) möglichst bald darüber zu vernehmen und mir davon Erklärung zukommen zu lassen. - Dero (Ihr) ergebenster Diener Pfarrer Brand“. (AA 1812)

Am 15. Januar 1856 fand die Gemeinderatsversammlung statt. Die schriftliche Antwort erfolgte am 17. Januar 1856. Die Anwesenden: Gemeindevorsteher Thüsing, Gemeinderatsmitglieder Josef Funke, Heinrich Sasse, Heinrich Flinkerbusch, Friedrich Schwefer, Franz Tönne verweisen darauf, dass sie sich „in dieser Angelegenheit lediglich auf den Gemeindebeschluss vom 5. Februar 1847 beziehen müssen und also auf den gestellten Antrag des Pfarrers Brand keineswegs eingehen können“. Der Bürgermeister legte noch eine Kopie des damaligen Beschlusses bei (s.o. 5. November 1851) Pfarrer Brand war in Freienohl Pfarrer von 1853 bis zum 9.12.1857; sein Vorgänger war Pfarrer Sporkmann.

Am 20. März 1856 bittet Pfarrer Brand das Paderborner Generalvikariat um Erweiterung des Friedhofs; der Ankauf wird genehmigt, 3 kleine Gärten: Garten des Becker, Winkelmann, Sasse, Schneioers (?) (EBAP Acta specialia 1836-1933, PfA A27)

Am 3. Mai 1856 schreibt das Paderborner Generalvikariat an Pfarrer Brand: Weil die Besitzverhältnisse des Friedhofs noch nicht durch urkundliche Schreiben abgeklärt sind, darf der Pfarrer nicht den erweiterten Teil benedicieren (segnen, einweihen); er darf aber vorläufig jedes einzelne Grab bei der Beerdigung einsegnen und sich dazu die Fakultät Erlaubnis von Paderborn) holen. (PfA A5)

Am 30. Juli Juli 1856 erhielt Gemeindevorsteher Thüsing von der Königlichen Regierung Arnsberg, Abteilung des Innern, dieses Schreiben: „... am 26. Mai dieses Jahres haben Sie dem Pfarrer Brand selbst die polizeiliche Erlaubnis zur Erweiterung des hiesigen Kirchhofs mündlich erteilt. Wir bemerken Ihnen hierauf, dass eine mündliche Erlaubnis in Fällen der vorliegenden Art unzulässig ist, da umso mehr zur Erreichung der erforderlichen Aktenmäßigkeit und Beseitigung künftiger Zweifel jedenfalls schriftlich hätte erfolgen müssen. Es kommt hinzu, dass die Erteilung der polizeilichen Erlaubnis zur Anlegung neuer und Erweiterung bestehender Kirchhöfe ohnehin nicht zu Ihrer Kompetenz gehört...“ Anmerkung: vielleicht haben Herr Thüsing und Pfarrer Brand einfach mal so unter Dorf-Nachbarn mit einander „geschwatert“ und irgend ein anderer hat das in den so genannten „falschen Hals“ bekommen, missverstanden usw... und „Arnsberg“ auch. (AA 1812)

Am 18. September 1856 konnte die wohl nächste evangelische Beerdigung der Maria Gertrud Bracht, Ehefrau des katholischen Arnold Schröder durch Pfarrer Bertelsmann stattfinden. Im Archiv liegen auch zwei Texte vor, die für ein sehr höfliches und korrektes Hin und Her sprechen. Katholischer Pfarrer: Franz Josef Brand. Keine Bemerkungen über mögliche Schwierigkeiten. (AA 1812)

April 1859, kompliziert: Der hier in Freienohl gestorbene evangelische Christ Kaufmann F.W. Hirschberger (s.o. 2. April 1851) soll auf dem Freienohler Friedhof beerdigt werden. Der evangelische Pfarrer Bertelsmann schreibt von Arnsberg am 14. April 1859 an den Gerichts-Assessor Boese in Freienohl: Für die Beerdigung am Sonnabend, den 16. April 1859 morgens um 9 Uhr erhielt er von Pfarrer Adams eine abschlägige Antwort. Dazu schreibt am 15. April 1859 der kath. Pfarrer Johann Heinrich Adams (Pfarrer in Freienohl 1858 – 1881): „Gegen diese Beerdigung wird Verwahrung eingelegt, da besagte von der hiesigen katholischen Bevölkerung wohlerworbene Räumlichkeit (gemeint ist der Friedhof) eben ausschließliches Eigentum der hiesigen katholischen Kirchengemeinde ist und folglich jedweder Gebrauch und Mitgebrauch derselben von Seiten irgendwelcher Andersgläubigen, so oft ein solcher gegen den Willen der Bischöflichen Behörde beansprucht wird, wie nach dem Kirchenrecht, so auch schon nach den allgemeinsten Prinzipien des Naturrechts, allezeit eine schreiende Rechtsverletzung und unbefugte Besitzstörung offenbar in sich schließt.“ Unterschrieben von Pfarrer Adams, Sasse und Adam Kehsler. - Der Bischof in Paderborn hatte dann für eine solch außerordentliche Situation die Genehmigung erteilt. So konnte schlussendlich der evangelische Pfarrer sein evangelisches Gemeindemitglied auf dem Freienohler Friedhof bestatten. (AA 1812)

Hier sei angehängt für heutzutage ökumenisch ausgerichtete Christen ein Brief, der ein Verallgemeinern des Freienohler Verhaltens nicht zulässt. Außerdem enthalten die damaligen Protokoll-Akten, heute nennt man sie Ergebnis-Protokolle, kein Hin und Her unterschiedlicher Überlegungen, Ansichten. Der Brief vom katholischen Pfarrer Böschen in Meschede am 10. August 1812 an den Generalvikar in Paderborn (den Stellvertreter des Erzbischofs von Paderborn): „In der hiesigen Pfarrei befindet sich jetzt dermalen eine ziemliche Anzahl Protestanten, unter denen verschiedene Großherzogliche Beamte sind. Ich wurde gestern von der Frau Oberförsterin Rauch, der Schwiegermutter des Großherzoglichen Forstverwalters Viehe ersucht, ihr und verschiedenen anderen Alten ihrer Religion zu erlauben, dass sie zu Laer in der Kapelle sich durch den Arnsberger Prediger das Abendmahl dürfen geben lassen. Da diese Frau nun eben so wie mehrere andere sehr schwach und wegen ihres siebzig jährigen Alters nicht reisen kann, und mit ihren Verwandten fast alle Sonntage dem hiesigen Gottesdienst beiwohnt, und ich so gar das Zutrauen derselben in so weit besitze, dass sie mich in Krankheiten zu sich berufen haben, auch wie ich hoffe am Sterbebette bei den meisten sein werde, so habe ich denselben in der Absicht dies gestattet, um das Zutrauen aller gegen mich dadurch zu befestigen und zu vermehren, und weil ich bei einer Weigerung einen höheren Zwang fürchtete. Ich glaube, Euer Hochwürden Gnaden, dies pflichtmäßig und untertänigst anzeigen zu müssen, und bitte gehorsamst, mir sobald als möglich hochgeneigst melden zu lassen, ob Euer Hochwürden Gnaden mein Verfahren genehmigt haben. Ich habe die Ehre mit aller Verehrung und Ergebenheit zu sein / Euer Hochwürden Hochwohlgeboren Gnaden / Untertänigster Diener / Böschen.“ Eine Antwort ist nicht bekannt.Mit diesem Zitat geht es ja auch nur um das Einfühlungsvermögen des katholischen Pfarrers. (EBAP BD 256 BLAU)

Unkompliziert fand durch Pfarrer Bertelsmann aus Arnsberg die evangelische Beerdigung der Caroline Bracht, Ehefrau von August Lichte gt. Grünhage auf dem Freienohler Friedhof am 17. April 1863 statt, mit einem Schreiben vom 14. April 1863. Katholischer Pfarrer: Johann Heinrich Adams. (AA 1812)

1861: Kirchenglocken-Läute-Ordnung, z. B. beim Tod des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861: Paderborn, am 5. Januar 1861: Der Bischof Konrad (Martin): “Es wird hierdurch angeordnet, dass in allen Pfarr-, Klöster- und Annex-Kirchen der Diözese von dem Tage des Empfanges (dieses Schreibens) an vierzehn Tage hindurch jeden Mittag von 12 bis 1 Uhr das übliche Trauergeläute für Seine Majestät den hochseligen König Friedrich Wilhelm IV. stattfinden soll. (Annex-Kirche = eine der Pfarrkirche zugehörige Kirche)

Am 8. Juli 1864 in Verbindung mit dem Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn: Auf dem Friedhof musste das alte, morsch und schadhaft gewordene einfache Kreuz entfernt werden. „Es war unwürdig geworden. Die Pfarrgemeinde hat für ein neues Kreuz gesorgt,“ (EBAP Acta specialia 1836-1933)

In den Jahren zwischen 1870 und 1880 geht es bezüglich der rund um 1809 bis 1820 neu angelegten Grabstellen um die Wiederbelegung der älteren Grabstätten. Die wird genehmigt. Doch ist zu achten auf Erb-Begräbnisplätze, die bleiben erhalten. Dafür liegen in den Akten gedruckte Bedingungen vor vom 31. Januar 1870. (AA 1812)

Am 6. März 1870 zeigt sich ein christlicher, heute würde man sagen: ökumenischer Fortschritt: Für die Beerdigung des evangelischen Friedrich Hilmbach übergibt Pfarrer Adams von sich aus der Freienohler Polizeibehörde den Schlüssel zum Friedhof. Ausdrücklich fügt Pfarrer Adams hinzu, dass sich deswegen „keinerlei Rechte auf ein Miteigentum auf den katholischen Kirchhof ergeben“. (AA 1812)

1870: Die beim Bau des Eisenbahntunnels tödlich Verunglückten, die auch zumeist keine Freienohler waren, wurden auf dem hiesigen Friedhof von Pfarrer Adams bestattet.

(PfA A5)

Am 18. Juli 1871: Der verstorbene 8-jährige Sohn von Josef Noeke darf polizeilicherseits beerdigt werden. Ein tödlicher Unfall.

Am 5. Januar 1876: Der Totengräber Johannes Trumpetter meldet dem Pfarrer Korte (eine Vertretung für den erkrankten Pfarrer Adams) : er habe nur noch für 3 Leichen Platz. 1877 wurde der Friedhof erweitert, d.h. neues Gelände dazu gekauft – nach Besitzer-Verhandlungen. (PfA A5)

Am 1.Mai 1876: Der Totengräber Johannes Trumpetter hat kürzlich damit begonnen, die Leichen in dem oberen Teil des Kirchhofs umzubetten, wo vor circa 25 Jahren beerdigt worden sei. Jene Leichen sind noch nicht verwest. (AA 1812, PfA A5)

1876: Der Totenhof in Freienohl ist erweitert worden; die aufgekaufte Fläche geht über in den Besitz der katholischen Kirchengemeinde. (AA 1812, PfA A5)

Am 24. April 1877 stehen nördlich der Kapelle bei aufgekauften Grundstücken diese Namen: Franz Mester, Johannes Kückenhoff, Heinrich Karneil, Johannes Rocholl, Jakob Meier, A. Schröder. (EBAP Acta specialia 1836-1933)

Am 27. Mai 1877 wendet sich Josef Noeke an den Kirchenvorstand und Pfarrer Korte: „Ich habe einen kleinen Wiesengrund neben dem neuen Kirchhof und kann infolge Einzäunung des letzten nicht zu meinem Grundstück kommen; ich beantrage, den seither benutzten Pfad über den Kirchhof wieder bloß zu legen oder die untere Hecke um so viel zu verrücken, dass ich meinen berechtigten Pfad dorthin gebrauchen kann.“ Die Antwort des Kirchenvorstands: „Es wurde einstimmig beschlossen, den genannten Noeke mit seiner Forderung abzuweisen, indem zu seinem Grundstück bekanntlich nie ein rechtlicher Weg geführt hat.“ Josef Noeke war Gemeinde-Verordneter im (politischen) Gemeinde-Vorstand. (PfA A5)

Bezüglich der Erweiterung des Friedhofs wird in einem Erlass vom Landrat in Arnsberg am 1. Februar und am 6. Juli 1878 ein Text-Teil von 1844 (s.o.) seitens der Königlichen Regierung von Berlin wiederholt; verglichen werden soll Flur / Parzellen mit dem Hypothekenschein vom 8. Mai 1841. - Und es wird auf die Polizeiverordnung vom 13. Oktober 1818 bezüglich des Grundwassers, des Durchflusswassers und der Überfüllung hingewiesen. Ein Übereinander-Bestatten ist nicht gestattet und die Minimal-Tiefe des Grabes ist auf 5 Fuß bestimmt (1 Fuß = 32 cm; 5 Fuß = 160 cm). (AA 1814, PfA A5)

Am 1. Februar 1883 benachrichtigt das Amtsgericht Arnsberg den Freienohler Kirchenvorstand bezüglich der Erweiterung des Friedhofs: Laut Eintrag im Grundbuchblatt ist die katholische Kirchengemeinde Besitzer des Friedhofs. (PfA A5)

Einschub: “Kriegerdenkmal”: 14. Januar 1878 bis 6. Juni 1899

 

Durchaus nicht auffällig: ein vorbildliches Freienohler Gemeinschaftsunternehmen.

Am 14. Januar 1878 wendet sich der Vorstand des “Krieger-Vereins” an den Amtmann Keiser. Zum Vorstand gehören: Johann Schwefer, Johannes Kückenhoff, Johann Humpert, Caspar Kehsler, Caspar Altenwerth: “Weil wir in der Gemeinde Freienohl noch kein bleibendes Denkmal an die Kriegsjahre 1870-71, mithin auch noch keine bleibende Erinnerung an unsere in dem Krieg gefallenen Kameraden haben, so beabsichtigt der Vorstand des Krieger-Vereins, ein solches Denkmal aufzustellen.” Der Amtmann wird um seine Mithilfe gebeten, der Gesangverein ist schon bereit, eine für die Gemeinde offene Informationsveranstaltung findet statt am Samstag, dem 19. Januar 1878 um 8 Uhr im Vereinslokal beim Wirt Theodor Bracht. Aus dem Protokoll der Veranstaltung: “Alle sind für die Denkmal-Errichtung. Finanzielle Beiträge leisten der Krieger-Verein, der Gesangsverein; die Gemeinde wird um Spenden gebeten. Als Platz wird vorgeschlagen: „dem Gastwirt Trompetter gegenüber auf der anderen Seite der Straße. Möglich ist auch ein anderer Platz.“ Gemeint ist Gastwirt Franz Trompetter, Alte Haus-Nr. 62, Parz. 717 (später Caspar Humpert mit Kegelbahn), an der Ecke Am Hügel / Hauptstraße; das Haus Blessenohl gab es damals da noch nicht.

Am 16. Dezember 1878: Aus dem Protokoll des Krieger-Vereins: “Ausschreibungen wurden begonnen. Ein großer Teil der Beitragsspender wünscht das Denkmal bis spätestens Juni errichtet zu sehen.” In der Akte AA 10 liegen die unterschiedlichsten Angebote als Annoncen aus Berlin, Diez, Menden, Meissen, Soest, Königswinter, Köln-Ehrenfeld, Bonn, Crefeld (mit C). - Die Zeit geht weiter. Ohne Verärgerungen (jedenfalls nicht in der ziemlich ausführlichen Akte).

Aus dem Protokoll vom 29. September 1879: “Ein Commitee-Mitglied kann an der für heute Abend anberaumten Sitzung nicht erscheinen. Er muss mit seinem Arbeiter nach Bahnhof-Olsberg und Siedlinghausen. Früher da zu sein kann er sich nicht leisten wegen der Unkosten von mindestens 30 bis 40 Mark. Er bittet um Terminverlegung. Er habe auch schon mit den anderen Commitee-Mitgliedern gesprochen.” Reaktionen sind nicht bekannt.

Am 6. Februar 1882 erklärt ein Commitee-Mitglied seinen Austritt, “weil ich einsehe, dass aus der ganzen Sache nichts wird. Meine versprochenen 150 Mark muss ich vorher erst deponieren.”

Am 12. April 1886 sind die Commitee-Mitglieder mit dem Amtmann: Schneidermeister Arnold Schröder, Maurermeister Caspar Kehsler, Rendant Louis Bracht, Dachdeckermeister Hirnstein, Zimmerermeister Franz Korte.

Am 16. April 1886 ist der geeignete Platz für das Denkmal „zwischen der Besitzung des Kaufmanns Emmerich und des Ferdinand Kerstholt”. 2009: Emmerich = Hömberg, Kerstholt = Gastwirtschaft I-Punkt; Ecke Hauptstraße – Brunnenstraße. In jenen Jahren auch noch wie früher genannt: „In der Ecke“.

Die Provinzialsständische Wege-Bau-Inspektion – am 3. Mai 1886 – hat nichts dagegen, nur „der Grundstücksbesitz muss geklärt sein”.

Am 14. Juni 1886: Der Platz zwischen Emmerich und Kerstholt soll zu klein sein und – noch ein anderer Vorschlag - “die Kirchhofsmauer eignet sich nicht als Bauplatz. Es bliebe nur der Gemeindeplatz vor der Geissler'schen Besitzung, … doch dafür würden die Fundierungs- und Einfriedigungskosten zu hohe Kosten werden”. Es solle noch bis zum nächsten Jahr gewartet werden, ob sich bis dahin “wegen etwaiger neuer Wasserleitungen ein neuer Platz ergebe”.

Aus der Korrespondenz geht – am 22. Oktober 1886 – hervor, dass Louis Grineisen aus Volkmarsen den Sockel des Denkmals herstellt. Die Tafel wird in Berlin bei Werck und Glinicke angefertigt.

Ganz einig ist man sich noch nicht – am 9. März 1887: Der Denkmalsplatz soll sein Flur I Nr. 788, 716, das ist – aus heutiger (2009) Sicht das Haus des Modegeschäfts Blessenohl, genauer: die Ecke Hauptstraße / Am Hügel. Auch der Platz bei Emmerich soll vermessen werden.

Am 31. Juli 1887 ist alles klar: endgültiger Platz vor dem Kaufmann Emmerich und „erster Tag: Enthüllung des Krieger-Denkmals”.

Pfarrer Falter schreibt in seiner „Pfarrer-Chronik“: „Also genau an demselben Tage, an welchem vor 17 Jahren der König seine Residenz verließ und zur Armee nach Frankreich reiste, wurde im Beisein des Regierungspräsidenten von Rosen, des Landrats Freusberg in Arnsberg und des Bezirks-Commandeurs Major von Heineccius in Meschede das Kriegerdenkmal eingeweiht, bei welcher Gelegenheit der genannte Präsident die Festrede hielt. Es wohnten der Feier noch mehrere Offiziere, 8 Fremde und der hiesige Kriegerverein, der Ortspfarrer, im Ganzen gegen 2000 (zweitausend) Personen bei. - Der Bau des Denkmals hat viel böses Blut gemacht, da es viel Geld kostet, und dasselbe sonst, beispielsweise für die Kirche, zu gebrauchen war; jedoch lässt der Bau sich entschuldigen, da das Geld anderweitig zu Vereinszwecken zusammengebracht war.“ (PfA PC)

 

Zum 5., 6. Juni 1899 schreibt Pfarrer Falter in seiner Chronik: Es „wurde das 25-jährige Stiftungsfest des hiesigen Kriegervereins gefeiert. Es wurde ähnlich begangen wie das Schützenfest und auch auf zwei Tage ausgedehnt. Des Morgens war Gottesdienst, des Nachmittags auf dem Schützenhofe Konzert resp. (bzw.) Ball. Am ersten Tage fand auch eine Begrüßung der von auswärts mit ihren Fahnen erschienenen 17 Vereine bei dem Kriegerdenkmal durch den Amtmann von Köckritz statt und im Anschluss daran der Parademarsch, welcher von dem Fest-Commitee abgenommen wurde. Auch waren die Herren Oberregierungsrat Michaelis und Landrat Droege als Vertreter des Regierungspräsidenten erschienen, von denen der erstere die Krieger im Namen des Königs begrüßte und den Kaisertoast ausbrachte (aussprach). Auch fand eine Dekorierung (Auszeichnung, Ehrung) der Gründer des Vereins, sofern sie dem Verein 25 Jahre ununterbrochen stabil angehört hatten – 12 an der Zahl – statt, bei welcher der ebenfalls anwesende Ortspfarrer Falter einige salbungsvolle Worte sprach. - Der Ort war einheitlich geschmückt und zählte 63 Ehrenpforten (Überkränzungen der Straße). Bei dem Festzug durch die Stadt (!), an welchem die fremden Vereine sich beteiligten, wirkten 3 Musik-Chöre mit, unter denen die 83-ger Militär-Kapelle aus Arolsen. - Die Namen der 12 Gründer sind folgende: Kaspar Altenwerth, Adam Assmann, Anton Bauerdick, Johann Kerstholt, Kaspar Kehsler, Johann Kückenhoff, Josef Noeke, Fritz Neise, Heinrich Schwer, Fritz Spindeldreher, Kaspar Weber, Theodor Zacharias. (PfA PC, Textfassung: Pfarrer Falter!)

 

Eine außer-ordentliche Kurzfassung für unsere Soldaten-Gedenkstätte: (abgefasst 2002)

  1. Zwischen Schützenhalle und Grundschule: Erster Weltkrieg 1914-1918; unter ihnen der Jude Paul Zander + 1918. Zweiter Weltkrieg 1939-1945.
  2. In den Sterbelisten, im Totenbuch des Ersten Weltkriegs steht bei manchen verstorbenen Kindern die Bemerkung des Pfarrers: "Der Vater steht im Felde." - Bei Friedhofs-Visiten mit Schulklassen (Kl. 8 - 10): die Bedeutungen von “gefallen”, “Gefallener” und “Der Vater steht im Felde” kannten Schüler nicht. Manche       antworteten so: „der war bei der Feldarbeit hingefallen.“ Und: „Als sein Kind zu Hause starb, arbeitete er auf dem Feld, auf dem Acker.“ Allerdings sagte einer ziemlich leise: “Die Soldaten, die da aufeinander schießen, ermorden sich ja.”
  3. Rechts vom Amtshaus steht die Gedenksäule für verstorbene Freienohler Soldaten im Preußisch-Französischen Krieg mit der Schlacht bei Sedan 1870/71, auch mit dem Namen des Freienohler Juden Joseph Benjamin Rosenthal, 24 jährig, ältester Sohn von Leser Rosenthal, ganz selbstverständlich gehörte er als Deutscher dazu.

Erinnerungswert ist auch: das Grundstück, auf dem das Amtshaus steht und die Gedenksäule, gehörte ursprünglich der Familie Leser Rosenthal, es war ihr Garten, auf dem damals die grünen Lebensmittel der Familie gesät, gepflegt und geerntet wurden. Für den Neubau der „Zwischen“-Schule plus Amtshaus war dieses Grundstück damals das geeignetste.

 

Zur Information, - „In-Form-Bringung“ -, zur Erinnerung, - zum „Ins-Innere-Bringen -, aus Pietät zu unseren Vorfahren, - zum gründlich bedachten Gedenken -, sei an dieser Stelle die Kriegsgeschichte der Schlacht von Sedan zitiert aus „Der Große Brockhaus“, 20 Bände, hier Band 17, aus dem Jahr 1934; dieser Text ist kurz und bündig und lässt doch noch etwas von der militärischen Atmosphäre damaliger Kriegsführung herauslesen. Die Querverweise in diesem Text werden hier ganz ausgelassen.

„Im Deutsch-Französischen Krieg von1870/71 wurde die Schlacht bei Sedan (1. September 1870) der entscheidende Deutsche Sieg über das Heer Kaiser Napoleons III. Die französische Armee des Marschalls Mac-Mahon (135 000 Mann), bei der sich Napoleon selbst befand, wurde bei dem Versuch, die in Metz eingeschlossene Armee des Marschalls Bazaine zu entsetzen, von der deutschen 3. Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen (133 000 Mann) zusammen mit der neugebildeten Maasarmee unter dem Kronprinzen Albert von Sachsen (86 000 Mann) nach Sedan abgedrängt und hier in ihrer starken Verteidigungsstellung am rechten Maasufer angegriffen. Der rechte deutsche Flügel griff die Franzosen frontal von SO her an, während die übrigen Streitkräfte die Maas überschritten und sich westlich von Sedan entwickelten, um den Feind nördlich zu umfassen. Bei Tagesanbruch begannen die Bayern den Angriff auf Bazeilles , bald darauf die Sachsen auf La Moncelle und Daigny. Der Kampf um den Givonne-Abschnitt, wo noch die preußische Garde eingriff, blieb freilich längere Zeit unentschieden. Aber um 2 Uhr nachmittags war auf den Höhen von Illy im Norden die völlige Einschließung von Sedan durch die deutschen Truppen vollzogen; Ein Durchbruchsversuch der Franzosen nach Osten gegen Carignan misslang, ebenso ein Kavallerievorstoß größten Stils, den General Gallifefet zwischen Cazal und Floing im Norden unternahm. Als die deutsche Artillerie um 4 Uhr nachmittags die allgemeine Beschießung der Stadt eröffnete, wurde die weiße Fahne gehisst. Die in Donchery geführten Kapitulationsverhandlungen kamen am 2. September um 11 Uhr vormittags in Frénois zum Abschluss. In der Schlacht hatten die Deutschen fast 9000 Mann, die Franzosen 17 000 Tote und Verwundete sowie 21 000 Gefangene verloren; durch die Kapitulation gerieten mit Napoleon III. noch 88 000 Mann in deutsche Kriegsgefangenschaft.“ - Aus „Der Große Brockhaus“, Band 4, nur noch diese Einleitung:

„Deutsch-Französischer Krieg von 1870/71, hervorgegangen aus der Feindschaft des napoleonischen Frankreich gegen die Einigung Deutschlands, deren Grundlage Bismarck durch den Deutschen Krieg von1866 geschaffen hatte. Das werdende Deutsche Reich unter preußischer Führung musste die von Napoleon III. angestrebte Vormachtstellung in Europa gefährden...“ - Es reicht. Also:

 

Rechts vom Amtshaus steht die Gedenksäule für verstorbene Freienohler Soldaten im Preußisch-Französischen Krieg / Deutsch-Französischen Krieg mit der Schlacht bei Sedan 1870/71. Auch mit dem Namen des Freienohler Juden Joseph Benjamin Rosenthal, 24 jährig, Infanterie-Regiment Nr. 82, ältester Sohn von Leser Rosenthal, ganz selbstverständlich gehörte er als Deutscher dazu. Mit ihm sind am 6.8.1870 in Wörth / Rheinland. Pfalz gefallen: J. Pöttgen, Infanterie-Regiment Nr. 87, - F. Schirp, Infaterie-Regiment Nr. 82, - in Mars la Tour am 16.8.1870: H. Funke, Infanterie-Regiment Nr. 16, in der Schlacht von Sedan am 1.9.1870: A. Lenze, Infanterie-Regiment Nr. 82. - (Im Kapitel „Zeitungsberichte“ stehen ab 1871 die jährlich sich wiederholenden Hinweise auf die Gedenk-Feierlichkeiten an die Schlacht von Sedan. - www.deutsche-schutzgebiete.de / dfkrieg.htm. Ferner: Sterbe-Liste / Totenregister.)

 

Fortsetzung der Friedhofsgeschichte im Lauf der Jahre

Aus den Gemeinderatssitzungen:

Am 17. Juni 1885: Die Pflasterung des Kirchhofswegs wird vorbereitet. (AA 407)

Am 5. September 1885: Der an dem Weg zum Totenhof führende Abzugsgraben soll bis zu dem von Kehsler (Gemeindeverordneter) projektierten Ende mit einer ähnlichen wie die bereits fertig gestellten Mauer eingeböscht (Böschung!) und der Graben selbst in einer Breite von 85 Zentimetern ausgepflastert werden. (AA 407)

Ein pastoral peinlicher Zwischenfall oder/und ein Spektakel der Macht:

Quelle: EBAP; Erzbischöfliches Archiv Paderborn, Acta Specialia 1836-1933, St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl. - In Klammern kursiv Geschriebenes sind Anmerkungen vom Autor H.P.

Am 12. April 1886 schickt der Freienohler Gastwirt Johann Siepe-Necker an das Erzbischöfliche Generalvikariat Paderborn (GV) dieses Telegramm: „Pfarrverwalter Falter verweigert Abholung der Leiche meines am 7. dieses Monats gestorbenen Kindes. Bitte denselben anzuweisen, seiner Pflicht nachzukommen oder einen anderen beauftragen.“

Am 12. April 1886: Antwort des GV an Siepe-Necker: „Verhältnis uns unbekannt. Seelsorger muss entscheiden.“

Am 21. April 1886 steht im EBAP in den Akten des GV: Falter / Siepe die Notiz: „Die Eingabe des Gastwirts Johann Siepe zu Freienohl vom 16. April 1886 betreffend der Beerdigung eines Kindes ist dem Hülfsseelsorger (damalige Schreibweise, dieser Titel geht noch auf den sogen. Kulturkampf zurück, am 17.12.1886 wird er Pfarrer) Falter in Freienohl zum Bericht zugesandt worden.“ Der Brief von Siepe am 16. April war 4 Seiten lang, rechtsseitig beschrieben, so war es üblich für die Randnotizen des Lesers.

Am 10. Mai 1886 antwortet Pfarrer Falter dem GV mit einem 4 Seiten langen Brief; hier folgt die gestraffte Wiedergabe: Die Wirtschaft Johann Siepe liegt von der Kirche aus gesehen jenseits der Ruhr. (Die Strecken-Länge ist nicht angegeben. Etwa 40-50 Meter) Bisher war es nicht üblich, dass der Pfarrer auch von außerhalb der Ruhr – als Grenze der Pfarrei, wie nach Arnsberg hin der Rümmeke Bach – die Leiche abholte. Pfarrer Adams freilich hat Ausnahmen gemacht. Ausnahmen sind keine Regeln. Üblich war, die Leiche bis zur Grenze (hier: die Ruhrbrücke) zu bringen. Von dort holt der Pfarrer die Leiche mit dem Leichenwagen ab. So sollte es auch diesmal sein. (Fast wie nebensächlich hört sich an:) Das Kind ist notgetauft von der Hebamme Kerstholt. - Johann Siepe rechnete mit einer Ausnahme. Die machte Pfarrer Falter nicht. Er beantragt beim Generalvikariat, die Beschwerde abzuweisen, „zumal derselbe (Johann Siepe) keinen Grund hat, seinen kleinlichen Sinn besonders hervorzukehren, da er den jungen Leuten beiderlei Geschlechts bis spät abends Zusammenkünfte gewährt und selbst in der geschlossenen Zeit in seinem Haus Tanzmusik erschallt“. (Die Adventszeit und die Fastenzeit waren „geschlossene Zeiten“, z.B. kirchliches Verbot von Tanz- und ähnlichen Veranstaltungen. „Echte“ Musik! Schallplattenmusik gab es noch nicht. - Die Leiche war ein Kind, der Sohn von Johann Siepe, 2 Tage alt! Einerseits hätten Totenträger der Familie Siepe, wie üblich die nächsten Nachbarn, den Kleinstkindsarg die 40 – 50 Meter leicht bis zur anderen Ruhrseite tragen können, dort würde dann Pfarrer Falter mit dem Leichenwagen, - Pferdefuhrwerk mit 2 Pferden, es ging den Breiten Weg hinauf - , bereit stehen. Oder andererseits: Pfarrer Falter wäre in Begleitung des Leichenwagens die 40 – 50 Meter zum Haus des Wirts Johann Siepe gegangen, hätte viel Platz zum Wenden gehabt... Vielleicht ist zu unterscheiden zwischen den gesagten und wahren Gründen. Der wahre Grund mag gewesen sein das „unsittliche“ Verhalten des Gastwirts.)

Der Tag der Beerdigung des verstorbenen Babys Caspar Siepe ist im Sterberegister der 12. April 1886; Bemerkungen stehen nicht darin.

Einen guten Monat später, am 26. Mai 1886 schreibt Johann Siepe ans Generalvikariat Paderborn: „Ich erlaube mir die Bitte um gefällige Erledigung und Beantwortung (zeitüblicher Briefstil) meiner Beschwerdeschrift vom 16. April des Jahres. Die Umstände sind danach angetan, dass ich die Sache geregelt haben muss. Ich beanspruche meine Rechte als katholischer Christ von dem vorgesetzten Seelsorger, und als der katholischen Kirchengemeinde in Freienohl zu den Kirchensteuern verpflichtet, wünsche ich gleich den anderen Katholiken behandelt zu werden. Eventuell werde ich der Königlichen Regierung (damit wird der Landrat in Arnsberg gemeint sein) die Sache zur weiteren Erörterung vortragen. Joh. Siepe“

Am 29. Mai 1886 antwortet das Generalvikariat dem Johann Siepe: „Aufgrund der Berichte von Falter und dem zuständigen Dechanten (in Meschede, der die Angaben Falters bestätigt) liegt kein Grund für eine Rüge vor. Falter hat für die vorgenommene kirchliche Beerdigung Ihres Kindes jede denkbare Rücksicht gemacht. - Obiges als Abschrift an Falter zur Kenntnisnahme.“ Demnach wird Pfarrer Falter über die Ruhrbrücke gekommen sein. - In seiner eigenen und jedem Pfarrer aufgetragenen Chronik über seine Arbeit und über das Leben in der Pfarrei steht nichts von dieser Bestattung. Dafür steht darin vom Sonntag, dem11. April 1886, ein attraktiver Bericht von der feierlichen Grundsteinlegung des Erweiterungsbaus der Kirche im Rahmen eines Nachmittags-Gottesdienstes mit einigen gewichtigen kirchlichen und politischen Gästen. Auf dem Grundstein stehen eingemeißelt 4 Buchstaben: P.L.J.F. (Parocho Loci Julio Falter – Durch den Pfarrer des Ortes Julius Falter).

Am 20. August 1886 schreibt Johann Siepe erneut an das Generalvikariat in Paderborn; hier fast wörtlich: Johann Siepe bittet dringend um nochmalige sorgfältige Durchsicht seiner Eingaben vom 16. April. Seine Angaben sind wahr und richtig und seine Beschwerde deshalb auch gerechtfertigt, „wie ich denn auch das geschilderte Verhalten des Hülfsseelsorgers Falter nicht zu loben weiß“. Johann Siepe sieht „vom erlebten Vorfall ab und“ stützt sich „auf sach- und rechtsbeständiges Herkommen, katholischen Brauch und fromme Sitte“, bittet für sich und seinen Hausstand und namens seiner Nachbarn hinter (von Siepe aus gesehen) der Freienohler Ruhrbrücke, aber innerhalb der Ortsgemeinde Freienohl. Das Generalvikariat möge dem jetzigen und allen zukünftigen Pfarrern aufgeben, den katholischen Christen jenseits der Ruhrbrücke (von den Pfarrern aus gesehen) bei Krankheits- und Todesfällen die geistlichen Trost- und Heilmittel prompt zu gewähren, die Leichen im Sterbehaus einzusegnen (so war es damals üblich, nachzulesen in alten Toten-Gebetsbüchern und Gesangbüchern) und von da christlich und würdevoll zum Friedhof zu geleiten.“

Am 27. August 1886 antwortet das Generalvikariat dem Johann Siepe, dass das Generalvikariat keinen Grund hat, die Verfügung vom 29. Mai 1886 abzuändern. Der Volksmund mag vielleicht sagen: „Der Verstorbene wird sich im Grabe umdrehen.“

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Weiter mit anderen Daten zur Friedhofsvisite:

Am 3. Mai 1887: Der Kirchenvorstand wendet sich mit dem Pfarrer an das Erzbischöfliche Paderborner Generalvikariat: Die Erweiterung des Totenhofs ist notwendig. Die ist nur noch möglich Richtung Osten. Der jetzige Totenhof hat 1 ¼ Morgen. Das reicht nicht aus für 1400 Personen. (EBAP Acta specialia 1836-1933) (1 Morgen = 2.553,22 m² : Preußen; also etwa 3.200 m²)

Am 6. Juli 1887 informiert das Generalvikariat in Paderborn den Kirchenvorstand mit Pfarrer Falter: Der Totengräber erhält 1,50 Mark für 1 Beerdigung 1 Leiche älter als 12. Lebensjahr; für Kinder unter 12: 1 Mark. (PfA A5)

August, September 1888: Ein Hin und Her an Informationen, Klärungen, Bemühungen zwischen dem katholischen Kirchenvorstand Pfarrer Falter, dem Amtmann Enser in Freienohl und dem Landrat Freusberg in Arnsberg: Der Totenwagen schafft nicht den Weg von der Landstraßehier auf den Totenhof. Dieser Weg ist viel zu eng und für den Wagen wegen der Weg-Nässe nicht befahrbar. Für den Wege-Ausbau bedarf es Ankäufe; dafür fehlt Geld. Und es geht nicht so schnell. - Gemeint ist der Weg von der Hauptstraße zum Friedhof zwischen Haus Bracht und dem – damals – Bauernhof Flinkerbusch. (AA 1815)

Am 29. April 1891 schreibt der Freienohler Kirchenvorstand ans Paderborner Generalvikariat: „Der Wasserschaden am Totenhof macht wohl eine Schließung notwendig; auch Jauche aus dem Ort fällt auf.“ Das Generalvikariat fragt zurück: „Was geht der Totenhof die Pfarrei an? Ist da nicht die (politische) Gemeinde zuständig?“ Der Fragesteller wird nicht gewusst haben, dass für den Freienohler Friedhof die katholische Gemeinde verantwortlich war. (noch aus der Zeit vom Kirchhof rund um die Kirche herum). (EBAP, Acta Specialia 1836 - 1933)

Am 27. November 1891: Pfarrer Falter und Amtmann Enser in Freienohl erklären übereinstimmend, dass der jetzige Friedhof zu klein ist und notwendig einer Erweiterung bedürfe. Landrat Freusberg in Arnsberg setzt sich für eine Erweiterung ein. (PfA A5)

1891: Die Anschaffung eines Totenwagens wird verschoben, weil ein ordentlicher Fahrweg immer noch fehlt (1 bis 2 Pferde mit einer Art "Leiterwagen", mit schwarzen Tüchern verhängt, wie auch die Pferde). (AA 1815)

Am 1. Dezember 1891: Landrat Freusberg an Pfarrer Falter: Eine Erweiterung ist nur sinnvoll, wenn das Regenwasser im Untergrund abgeleitet wird. (PfA A5)

Am 29. April 1891: Der Kirchenvorstand informiert das Generalvikariat in Paderborn: "Der Wasserschaden am Totenhof macht wohl seine Schließung notwendig. Auch Jauche aus dem Ort fällt auf." (EBAP Acta specialia 1836-1933)

Im Februar 1892 kümmert sich Pfarrer Falter um die Entwässerung des Friedhofs. (AA 1815)

In der „Mescheder Zeitung“ steht am 27. Juni 1893 unter Amt Freienohl: „In den Gemeindebezirken Dinschede, Rumbeck und Grevenstein ist nach Beratung mit den Gemeindevorständen polizeilich verordnet worden, dass von jetzt ab die Leichen mittels eines Leichenwagens nach den Kirchhöfen gefahren werden und darf die Überführung derselben nicht mehr durch Träger erfolgen. Bei Leichen von Kindern unter 10 Jahren kann jedoch mit Erlaubnis der Ortspolizeibehörde die Überführung durch Träger stattfinden. Die Erteilung der Erlaubnis kann von der Beibringung eines ärztlichen Attests über die Todesursache abhängig gemacht werden.“ - Damals war es üblich – in Freienohl und wohl auch im Sauerland - , den Verstorbenen bis zur Beerdigung zu hause 2,3 Tage aufzubahren und auch zu hause das Totengebet mit der Nachbarschaft zu halten. Damit wird auch deutlich, dass dieses Totengebet, wenn auch zu mehreren ein Privatgebet ist, auch wenn es im Raum der Kirche stattfindet; doch deswegen hat der Pfarrer das Sorge-Recht für würdiges, gemeinsames Beten.

Am 7. Januar 1895 informiert der Freienohler Amtmann Enser den Landrat in Arnsberg aufgrund dessen Anfrage, dass “der Weg zum Totenhof seit einigen Wochen im (be)fahrbaren Zustand gesetzt worden ist. Jetzt geht es um die Anschaffung eines Totenwagens.” (AA 1815)

Bis in den Mai 1895 geht es um Grundstücksverhandlungen zur Vergrößerung des Friedhofs. (AA 1815)

  

Am 17. Mai 1895: Die Friedhofskapelle wird gebaut, genau nach dem Muster der ehemaligen Rümmecker-Kapelle, von Maurermeister Fritz Göckeler, für 1.752,94 Mark. - Informationen über die Rümmecker-Kapelle stehen in einer anderen Textfassung. Die neue Rümmecker-Kapelle wird von den Schützenbrüdern immer wieder instand gehalten, handwerklich bestens gepflegt. Ganz im Sinn des Leitworts der Schützenbruderschaft: Glaube - Heimat – Sitte.  

 

„Auf Kirchweihfest, am 17. November 1895,“ schreibt Pfarrer Falter in seiner Chronik, „wurde zum ersten Mal der auf Befehl der Regierung seitens der Gemeinde angeschaffte neue Totenwagen benutzt. Die Ehefrau Storm geb. Kaulmann wurde als die erste in demselben zum Kirchhof gebracht, während der von dem ehemaligen Posthalter Lorenz Düring gefahren wurde. Zur Erstattung der Anschaffungs- und Unterhaltungskosten wurden für den Wagen von Fall zu Fall 3 Mark entrichtet, welche in die Gemeindekasse fließen, während die Beschaffung der Pferde den Interessenten (!) überlassen bleibt.“ (PfA PC-Falter)

 

Am 6. Juni 1899: Pfarrer Falter wird vom Totengräber Franz Stirnberg informiert, dass er vor einer Beerdigung (des Fritz Lange am 27. Mai) dreißig (!) Eimer Wasser aus dem Grab geschöpft hat. (PfA A5)

 

Am 29. Juni 1904 fragen die Königl. Regierung Abteilung für Kirchen- und Schulwesen und der Landrat in Arnsberg die einzelnen Ämter mit der Randnotiz „Vertraulich“ nach „Erwägungen, die das Tragen von Kinderleichen (selbstverständlich im weißen Kindersarg ) durch Schulkinder (selbstverständlich mit den Eltern des verstorbenen Kindes, dem Pfarrer, den Angehörigen usw.) aus sanitären und erzieherlichen Gründen allgemein zu erlauben sei... Der Bischof von Paderborn habe sich zur Sache neuerdings übereinstimmend dahin geäußert, dass das Tragen von Kinderleichen durch Kinder namentlich in kleinen Gemeinden als eine alte Sitte die schonendste Behandlung erfordere, dass ihrer Beseitigung aber in Gegenden, namentlich in großen Gemeinden, wo Mißstände eingetreten sind, kirchlicherseits grundsätzlich widersprochen werden sollte...“ - Die Antwort des Freienohler Amtsmannes Göpfert vom 10. August 1904: „In den Gemeinden des hiesigen Amtsbezirks besteht die Sitte, dass Kinderleichen durch Schulkinder zum Kirchhof getragen werden. Die Beerdigungen finden außerhalb des Unterrichts statt, und ist somit das Interesse der Schule gewahrt. Gründe, welche die Maßnahme rechtfertigen könnten, die althergebrachte Sitte ganz zu beseitigen, dürften hier nicht vorliegen, umso mehr nicht, da nach meiner Ansicht die Eingesessenen sich schon von selbst daran gewöhnen, vom Tragen der Kinderleichen durch Schulkinder abzusehen und den Totenwagen zu benutzen. Solche Fälle sind in letzter Zeit einige Male vorgekommen. Wenn sich diese auch nur auf die besser situierten Kreise beschränken, so dürfte nach meiner Ansicht es nicht angebracht sein, gerade bei weniger bemittelten Leuten die gewohnte Sitte zu beseitigen.“ (AA 1207)

Von diesem Brauchtum, dass Schulkinder die Totenträger eines verstorbenen Kindes sind, sein können, steht nichts in den Akten zur Beerdigung des Kindes von Necker-Siepe (1886).

 

Am 8. Oktober 1906: Kosten-Anschlag für den Entwässerungsgraben: 974,13 Mark. Am 15. Oktober 1906 ein neuer Betrag: 992,13 Mark.

 

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs: 1. August 1914 bis 11. November 1918:

Erschütternd sind die Eintragungen vor allem zu Beginn des Ersten Weltkrieges von Pfarrer Steimann (in Freienohl 1902-1916). Sie lesen sich wie noch am selben Tag geschriebene sehr persönlich gehaltene Aufzeichnungen. Weil aber in ihnen nichts Ausdrückliches vom Alten Friedhof steht, folgen seine Erinnerungen an anderer Stelle unserer Dorfgeschichte.  

Im Pfarrarchiv befinden sich bei den Pfarrer-Chroniken mehrere Briefe „von der Front“ an den Freienohler Pfarrer für seine Trauerarbeit mit den Angehörigen. Der erste Brief sei ausgewählt und hier zitiert. Er betrifft Bernhard Weber, gefallen am 3. Oktober.1914 (der Erste Weltkrieg hatte am 1. August 1914 begonnen!) in Cerny, Grab: Colligs bei Reims; Pionier; Maurer, ledig; geb. 15.2.1890. Der Brief: „Colligs, den 3. Oktober 1914 / Herrn Bernhard Weber, Freienohl Kreis Arnsberg / Das Lazarett erfüllt die traurige Pflicht, Sie von dem Hinscheiden Ihres Sohnes Bernhard, R.K. Batt. 21.2. Comp. In Kenntnis zu setzen. Er wurde schwer verletzt in das Feldlazarett 36 in Colligs am 26. September gebracht und ist am 3. Oktober seinen Verletzungen erlegen. Er ruht auf dem Friedhof zu Colligs und ist feierlich von dem Divisionsgeistlichen beerdigt worden. Ein Kreuz mit Namen bezeichnet seine letzte Ruhestätte. / Der Chefarzt gez. Lydow, Oberstabsarzt.“

Zum möglichen Gedenken hier noch die ersten 5 Auszüge aus der „Kriegsstammrolle“, von den „Kriegsschauplätzen“, dort auch bestattet (Wer hat bloß dieses Wort „Kriegsschauplatz“ erfunden?), aufbewahrt im Stadtarchiv (AA 2224):

Heinrich Althaus, Arbeiter, geb. 3.5.1888, ledig; Eltern Christian Althaus und Elisabeth geb. Neise; gefallen 22.8.1914 im Gefecht Petitvour / Belgien; 2. Kp.R.I.R. 81 = 2. Kompanie Reserve Infanterie Regiment 81 (für Freienohler: „die Einundachtziger“).

Hermann Pütz, Maurer, geb. 1.9.1887; verheiratet mit Franziska geb. Dölle; Eltern: Heinrich Pütz, Fabrikarbeiter, Christiana geb. Bräutigam; gefallen 22.8.1914 im Gefecht Petitvour / Belgien, 2. Kp.R.I.R. 81; aus der Kriegsstammrolle: Die Krankenträger Schulte und Cordes: Wir bestätigen, dass der Unteroffizier Pütz aus Freienohl bei Petitvour am 22.8.1914 gefallen und tot ist.“

Kaspar Becker, Zimmermann, geb. 16.11.1886, verheiratet Johanna geb. Jablonski, 1 Kind; Eltern: August Becker, Fabrikarbeiter, Elisabeth geb. Kohsmann; gefallen 22.8.1914 im Gefecht Petitvour / Belgien, 2.Kp.R.I.R. 81; aus der Kriegsstammrolle: „Infolge seiner Verwundungen im Kriegslazarett gestorben.“

Josef Müller, Arbeiter, geb. 6.4.1894, ledig; Eltern: Josef Müller, Wildshausen, Maria geb. Freimuth; Kopfschuß am 21.3.1915, gestorben am 25.3.1915 im Kriegslazarettt Johann von Arc zu Voiziers, Füsilier im 4. Garderegiment.

Fritz Beckmann, Erdarbeiter, geb. 17.7.1892, ledig; Eltern: Fritz Beckmann und Klara geb. Flinkerbusch; eingetreten 15.10.1913 beim Pionier-Battaillion 21; mitgemachte Gefechte:

Anloy 22.8.1914, Villers 27.8.1914, Alliamelles 7.9.1914, Sermaize 8.u.9.9.1914. Merlot 18.9.1914, Chivy 26.9.1914, Damery 6.10.1914, Pavillers 8.10.1914, Fresnoy 11.10.1914, Le Anesnoy 1.11.1914, Stelingl. Bei Roye / Pobar 9.4.1915; gefallen beim Sturm auf den Selowatka 18.4.1915. (Die Rechtschreibung dieser Orte ist im Vergleich zur heutigen gewiss nicht korrekt.)

 

Um sich nachträglich hinein zu fühlen in den Ersten Weltkrieg folgen hier Auszüge aus einem von heute – 2009 – aus gesehen nahezu unmöglichen Buch. Damalige Freienohler haben dieses Buch bestimmt nicht gekannt: Johann Leicht (Herausgeber): Sankt Michael. Ein Erinnerungsbuch aus schwerer Zeit zur Erbauung und Tröstung für die Katholiken deutscher Zunge. Deutscher St. Michaels-Verlag Würzburg, Berlin und Wien, 1919, Imprimatur 1. Juni 1917, 384 Seiten, mit vielen ganzseitigen Kunstblättern und Textzeichnungen, großes Format: 33x23 cm; einsehbar: Stadtarchiv Meschede im Alten Amtshaus Freienohl, seit 2015 in Grevenstein. - Das Datum „Imprimatur 1917“ bedeutet, dass die Texte um 1915, 1916 entstanden sind. Und „Imprimatur“ heißt: Kirchliche, Bischöfliche Druckerlaubnis. Kein Grund zur Aufregung: Was heutzutage der „Regierungssprecher“ oder ähnliche Aufgabenträger in die Öffentlichkeit bekannt geben dürfen, das bedeutet für unseren Zusammenhang: Hinter den einzelnen Beiträgen steht hier wenigstens grundsätzlich die katholische Kirche, hier: Bischöfe, Theologie-Professoren und mit dem letzten Zitat der damalige Papst. Was noch zu beachten ist: der Rede-Schreib-Stil und die Gedanken-Führung von 1915 sind für 100 Jahre später sehr ungewohnt, teilweise gewiss auch etwas peinlich. - Die Verfasser der einzelnen Beiträge werden hier ausgelassen. Dieser Buchauszug ist kursiv geschrieben:

„Der echte Soldatengeist. Vor dem Abmarsch. Bewegten und gehobenen Herzens noch ein letztes Wort, ein letzter Wunsch: behaltet und bewahret den echten Soldatengeist. Worin besteht er? Kurz in drei Worten: Froh, Fromm, Treu! - Froh! Froh muss uns stimmen die große, gerechte, heilige Sache, für die wir in den Kampf ziehen...Froh muss uns stimmen unser gutes Gewissen, mit Gott und den Menschen versöhnt!...

Unsere Waffenschmiede im Gotteshaus. Inseln im sturmgepeitschten Meere des Völkerstreites sind unsere Kirchen. Weiße Fahnen wehen von ihren Zinnen und Türmen, als riefen sie in das Gewühl aufgeregter feindlicher Elemente: Hier ist Friede!... Hier aber im Gotteshaus wollen wir Waffenschmiede und Waffenweihe halten. Am Altarstein lässt sich so gut und so scharf das Schwert schleifen; an der heiligsten Opferstätte legt sich so starke Kraft in die von den Vätern ererbte Wehr; aus Gottes Hand empfangen schützt die Rüstung treu gegen feindliche Unbill...

Die deutsche Frau im Krieg. Fest Mariä Himmelfahrt. ...Ist auch im Christentum das Weib in die segensvolle Stille des häuslichen Berufes zurückgekehrt, sie schaffte doch unermüdlich an der Wehr und Rüstung des Mannes, an seiner sittlich-religiösen Erziehung für die Tage göttlicher Prüfung... Wenn die Mutter dem Knaben schon in frühen Tagen die Großtaten des Volkes erzählt, wenn sie blättert im Siegesbuch des Vaterlandes, wenn sie zeigt auf das Funkeln und Flammen der gewonnenen Schlachten, wie Feuer sprüht es da aus des Knaben Augen, tiefer und heißer, bis er vor dich, deutsche Mutter, hin tritt und dich um den Segen bittet: Mutter, lass uns ausziehen in den Krieg für das Reich! Deutsche Frau, das ist Kampf um deinen Sohn und ist gewonnene Schlacht....

Der Kinder Opfer. Ein Hirtenschreiben an die Kinder. … Ihr wisst, es ist Krieg – schlimmer, blutiger Krieg! ...Ihr selbst habt es miterlebt, wie sie daheim Abschied genommen haben, und habt gesehen, wie sie hinaus gezogen sind gegen die Feinde, mutig und mit klingendem Spiel. Aber ihr habt auch gesehen, wie manche aus dem Felde heim gekommen sind, verwundet am Kopf, am Arm oder Bein, manche gar schwer verwundet. Und ihr habt gehört oder gelesen, wie viele tapfere Soldaten in den blutigen Kämpfen getötet sind und nun begraben liegen in fremder Erde. Sie kommen nicht mehr zurück....

Am Massenheldengrab. ...Blutleere Träume hat man sie genannt: sieh da, Millionen kleiner Kreuze künden`s dir: Sie sind das Wirkliche, das selbst das Leben überwand.... Drum Dank euch, tapfere Söhne deutscher Mütter! Das Vaterland will euer Erbe ehren – mehren!“

 

Genau hier gehört eingeschoben ein für Freienohl wunderbares Ereignis:

Grauenhafte Kriegserfahrungen hat erlebt: Otto Kloke, geb. 29.11.1882, er war Soldat, er fiel in der Schlacht am Hartmannsweiler-Kopf in den Vogesen, „gleich hinter der Grenze“, in einem kriegsüblichen Massengrab wurde er bestattet. Doch seine Kameraden waren kurz danach überzeugt, dass ihr Otto Kloke noch gar nicht tot sein müsse, sie schaufelten die dünne Erdschicht beiseite, tatsächlich: er lebte. Er wurde versorgt, im Lazarett usw., usw. Er lebte ein neues Leben. Mit ganz neuen Erfahrungen. Otto Kloke starb am 30.11.1962 und wurde auf dem Alten Friedhof beerdigt, gewiss mit vielen Erinnerungen seiner Familie und Freunde.

Fortsetzung der Buchauszüge:

„Heiliges Feuer. Weiter greift der gewaltige Kampf, in den wir gestellt sind. Er ist ein Erlebnis für uns nicht nur als Deutsche, sondern auch als Weltbürger. Der Krieg ist ein internationales, ein Welterlebnis... Ganz nahe geht uns aber eine andere Beziehung an, die wichtigste in diesem gewaltigen Völkerringen, die Beziehung dieses Krieges zu Gott, der Krieg als sittliches, religiöses Erlebnis … So ist der Ursprung dieses Krieges sittlich.... Vaterlandsliebe, Gemeinsinn...

Papst Benedikt XV. am 28. Juni 1915 (15!) ...Es ist Bruderblut, das über die Erde und Meere dahinfließt. Die schönsten Gegenden Europas sind mit Leichen und Ruinen übersät.... Man erwidere nicht, dass der unmenschliche Konflikt nicht ohne Waffengewalt geschlichtet werden könne! Möge man von der gegenseitigen Zerstörungswut ablassen! … Gesegnet sei, wer zuerst den Ölzweig erhebt!...“

Zum Jahresschluss 1918 schreibt Pfarrer Gerwinn in seiner Chronik: „Auf dem hiesigen Friedhof haben ihre letzte Ruhestätte gefunden die Krieger“:

Josef Göckeler: Todestag: 26.05.1915 im Lazarett Mannheim; geb. 04.04.1885; Maurer, verheiratet, 2 Kinder.

Josef Humpert: Todestag: 27.08.1917 Vereinslazarett Bethel; geb. 24.07.1894; Lehrer, ledig.

Heinrich Neise, Todestag: 01.10.1917 Feldlazarett Laon 362; geb. 28.02.1892; Kaufmann, ledig.

Fritz Heckmann, Todestag: 12.12.1918 Garnisonslazarett Gelsenkirchen; geb. 20.06.1893, Fabrikarbeiter, ledig; er starb auf dem Rückzug an Lungenentzündung, der Krieg war vor 1 Monat beendet.

Alle in den Kriegen Gefallenen stehen in der Chronik „Freiheit Freienohl“ von Dr. Wolf.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg:

Am 18. September 1921 bitten die Vereine: Schützenbruderschaft, Krieger-Verein, Gesangverein Cäcilia, Gesangverein Liedertafel, Turnverein Pfarrer Gerwinn, die Vormittagsbeerdigungen auf den Nachmittag um 4 Uhr zu verlegen, weil „bei den Beteiligten großer Verlust an Arbeitszeit und Verdienst eintritt“. Allerdings: „Bei Frauen kann die bestehende Ordnung aufrecht erhalten bleiben.“ Ergänzungen: Die Eisenbahnzüge kamen erst um oder eben nach ½ 4 Uhr in Freienohl an. Und die Männer mussten sich noch waschen, rasieren, umziehen... Die Beerdigungen fanden dann auch erst gegen 5 Uhr (17) statt, vielfach auch samstags Nachmittag und Sonntag.

 

Eigentlich kein Ersatz-Friedhof, auch wenn Sprache und Denkführung für Heutzutage etwas seltsam anmutet: Pfarrer Gerwinn: „Am Allerheiligen-Nachmittag, am 1. November 1923, fand die Einweihung des zum Krieger-Gedächtnis-Altar umgestalteten Josephs-Altar (im rechten Seitenschiff der Kirche) statt. Derselbe ist auf den Vorschlag des Professors der Kunstgeschichte an der Akademie zu Paderborn Dr. Alois Fuchs und der Werkstatt des Bildhauers Drolshagen in Paderborn hervorgegangen und stellt den Hl. Joseph als Patron der Krieger dar. Zur Linken des mächtigen Schutzpatrons kniet ein jugendlicher, feldmarschmäßig ausgerüsteter Krieger und empfiehlt sich vertrauensvoll seinem Schutz, während zur Rechten ein gefangener Krieger mit abgezehrten Zügen die gefesselten Hände zu ihm emporhebt. Auf zwei von den Seitenwänden der Altarnische aufgehängten Tafeln sind die Namen von 70 gefallenen Kriegern der hiesigen Gemeinde eingegraben. Die Feier, bei der der Pfarrer die Weihe-Rede hielt und an der sämtliche Vereine mit ihren Fahnen teilnahmen, wurde verschönert durch Gesangsvorträge der beiden hiesigen Gesangsvereine.“ (PfA PC)

Seit 2000 gibt es am Josefs-Altar dieses Brauchtum „Glaube – Heimat – Sitte“ nicht mehr.

 

November, Dezember 1925: Von einem französischen Arbeitskommando werden die vom Ersten Weltkrieg hier bestatteten französischen Soldaten und Kriegsgefangenen in ihre Heimat überführt.

Im März 1926: Zum Friedhofsgärtner wird angestellt Hubert Düring; jährliches Gehalt: 450 Mark. Wenn er aus Krankheitsgründen nicht kann, übernimmt sein Vater Caspar Düring den Dienst. (PfA A5)

1927: Freienohler Bürger beschweren sich in aller Öffentlichkeit: Manche Nummern-Schilder an den Gräbern verschwinden; sie werden bei Kindern gesehen. Pietätlosigkeit. Unsere Verstorbenen sind mehr als Knochen und Asche;

Danach, am 27. September 1927: Der Amtmann wendet sich an Pfarrer Gerwinn. Auf den Gräbern fehlen wieder viele Nummern-Schilder. Der Totengräber sagt, diese werden hauptsächlich von Kindern verschleppt, die spielen vielfach auf dem Friedhof. (PfA A5)

Am 16. Oktober 1929: Schreinermeister Clemens Feldmann fertigt ein neues Friedhofstor an, aus Eichenholz, 354 Reichsmark. (PfA A5)

Am 25. Juli 1935: Der Freienohler Bürgermeister wendet sich an Pfarrer Gerwinn: „Die Sauberkeit der meisten Grabstätten lässt viel zu wünschen übrig. Viele Gräber sind überhaupt nicht gepflegt. Auch einzelne Wege sind im verwahrlosten Zustand. Im Interesse des Fremdenverkehrs soll der Übelstand alsbald beseitigt werden.“ - Freienohl war damals Luftkurort. (PfA A5)

Eigenartig ist Folgendes: Am 11. Juni 1937 geht es in Freienohl darum, Verkehrsschilder an zu bringen an der Adolf-Hitler-Straße, so hieß in jener Zeit die heutige Hauptstraße, auf der Höhe der – damals Neuen Schule (jetziges Feuerwehrhaus, 2009) – und dem damaligen Kindergarten und der Nähschule im Alten Schwesternhaus (jetzt Clive Wattison / Antik Lohmann). Hier hatten sich diese Verkehrsunfälle ereignet: 1. Das Kind Lehmenkühler war – vor mehreren Jahren – auf dem Weg zum Kindergarten überfahren worden, tödlich verunglückt. 2. Die Nähschülerin Tönne aus Olpe ist vor der Nähschule überfahren worden, tödlich verunglückt. 3. Das Kind der Witwe Flechtner ist tödlich verunglückt. 4. Das Kind der Witwe Humpert ist - gerade – aus dem Kindergarten kommend, vom Kraftfahrzeug erfaßt, eine Strecke mitgeschleift, schwer verletzt worden, stirbt wohl. - Vornamen der Kinder und noch genauere Daten stehen in dieser Akte nicht. - Nun das Eigenartige: In der Sterbeliste jenes Jahres, jener Jahre stehen diese Kinder nicht. Dabei hätten sie auf dem - jetzt – Alten Friedhof bestattet sein müssen. Gewiß. Das Kind aus Olpe wird in Olpe bestatte sein. Das Kind der Witwe Humpert kann am Leben geblieben sein.. Aber die beiden anderen Kinder: das Kind Lehmenkühler und das Kind der Witwe Flechtner? Für behördliche Sterbelisten gab, gibt es keine anonymen Bestattungen. Wenn auch nicht aktenkundig, die Kinder werden auf dem Alten Friedhof beerdigt worden sein.

Am 4. Oktober 1947, die sogenannte Nachkriegszeit, nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945): Der Freienohler Amtsdirektor Hahne genehmigt die Wiederinstandsetzung der Friedhofskapelle, „damit dieselbe vorläufig als Leichenhalle benutzt werden kann“.

(PfA A 5)

Am 28. Mai 1948: Martin Pautsch, der Freienohler Maler und Graphiker fertigt für die Friedhofskapelle 2 Glasmalereien an: „Grablegung“ und „Auferstehung“. Seine Rechnung an die kath. Gemeinde für die Entwürfe, Herstellung, Ausführung: 1100,- RM. (PfA A5) (www.freienohler.de)

Am 4. Februar 1950 in der Zeitung „Westfalenpost“: Eine Friedhofserweiterung ist geplant. Kurz darauf: die Erweiterung des Friedhofs ist unmöglich. Eine Neu-Anlage eines Friedhofs auf dem Hohlknochen ist geplant.

Sommer 1950: Ein altes Gräberfeld auf dem Friedhof an der Nordost-Ecke wird eingeebnet. (PfA PC)

Am 15. August 1950: Amtsdirektor Hahne genehmigt Pfarrer Dolle die Renovierung der Friedhofskapelle. (PfA A5)

Am 7. Juni 1953 fand die 200-Jahrfeier unserer St. Nikolaus-Kirche statt, am 2. Sonntag nach Ostern. Das feierliche Levitenamtzelebrierte der Ortspfarrer Dolle . Es assistierten Pfarrer Georg Korte aus Dortmund St. Anna, der auch die Festpredigt hielt (gebürtiger Freienohler; 1899-1992), sowie Vikar Wilhelm Reckhenrich (Freienohl: 1947-1951), Pfarrer Josef Noeke aus Berge (gebürtiger Freienohler: 1876-1968); nachmittags kam noch Pfarrer Alois Becker aus Drolshagen (gebürtiger Freienohler: 1903-1976). Sofort nach dem Hochamt war die Gefallenen-Ehrung am Ehrenmal... Daran beteiligten sich auch die Vereine mit Fahnen. (PfA PC)

Im Juli 1956 wurden die Gräber auf dem unteren Feld rechts eingeebnet und dieses Feld neu aufgeteilt für weitere Beerdigungen. (PfA PC)

Am 16. April 1959 wird Pfarrer Dolle von Adolf Humpert vom Amt Freienohl gebeten, auch von der Kanzel bekannt zu geben für die Einarbeitung in das Soldaten-Ehrenmal: die Daten über die Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg (1. September 1939 bis 9. Mai 1945), auch über die inzwischen ortsansässigen Ostvertriebenen; bis zum 24. April 1959; später eingehende Mitteilungen können eventuell nicht mehr berücksichtigt werden. (PfA A29)

Aus der Sterbeliste der Kirchenbücher, hier die letzten 6 Beerdigungen auf unserem Alten Friedhof. Die Beerdigungen fanden statt 3 bis 5 Tage nach dem Tod.

Maria Rocholl geborene Gördes: geboren 27.07.1892, gestorben 11.04.1980.

Olga Schwefer geborene Altenwerth: geboren 29.03.1892, gestorben. 19.06.1985.

Karl Geissler: geboren 19.12.1903, gestorben 18.04.1986.

Agnes Berta Jürgens geborene Kohle; geboren 27.02.1897, gestorben 26.03.1988.

Clementine Klauke geborene Kaulmann, geboren 25.07.111898, gestorben 31.01.1989.

Elisabeth Blessenohl geborene Eickelmann; geboren 26.03.1905, gestorben 19.05.1990.

Wie unser Leben mit unseren Verstorbenen auf unserem Alten Friedhof weitergeht

Im Laufe der Jahre nach der letzten Beerdigung und nach der üblichen Stilllegung, Einebnung der Gräber wurde überlegt, wie denn jetzige und zukünftige Freienohler diesen Platz unzählbarer Erinnerungen würdevoll behalten kann.

Die zwei anderen Toten-Gedenkstätten in Freienohl, die eine am „Amt“ zum Gedenken an die Gefallenen im Krieg 1870/1871, und die andere zwischen Schützenhalle und St. Nikolaus-Schule zum Gedenken an die Gefallen im Ersten und Zweiten Weltkrieg (1914-1918, 1939-1945) auf unseren Alten Friedhof umzusetzen, wurde nicht für sinnvoll gehalten; jeder lange Jahre eingehaltene besondere Platz in unserem Dorf hat auch seinen besonderen Wert, seine besondere Würde. Einer anderen Idee gelang es nicht, bekannt genug zu werden: den Friedhof zu einem Friedhofs-Dorfgarten werden zu lassen: für die Freienohler Vereine aufgeteilt in unterschiedliche von ihnen gestaltete und gepflegte Garten-Teile, mit Wegen in Form eines Labyrinths mit der Rümker Kapelle als Ziel. Denn sie ist ein heiliger Ort und Raum, in dem unsere Vorfahren zur Eucharistiefeier, zur Hl. Messe zusammengekommen waren, in der wir Heutigen zwischen den Bildern der „Grablegung“ und „Auferstehung Jesu“ christliche Religion glaubwürdig wahrnehmen können.

Fast 10 Jahre später, im Jahr 2009, am 1. November, am Fest Allerheiligen wurde nach dem Hochamt in der Pfarrkirche ein ganz neues, ein ganz anderes Denkmal von Pfarrer Hammerschmidt eingeweiht: ein Zusammensein, eine Einheit einer Säule inmitten einer Spirale, gebildet mit einzelnen Grabsteinen. Die Idee dazu wurde entwickelt vom Freienohler Kirchenvorstand. Er und Gemeindemitglieder spendeten die Kosten, den Lohn für den jungen Steinmetzmeister Markus Kramer aus dem benachbarten Olpe, der jetzt in Aahaus lebt. Die Bedeutung dieses Denkmals lässt sich leicht und schnell mit Hilfe seiner vorrangigen Bausteine: Spirale und Säule und ihrem Einssein im Internet mit zahlreichen kurzen und ausführlichen Texten entdecken, selbstverständlich auch mit der Fachliteratur zur Mythologie-Geschichte, zur Symbolik in der Tiefenpsychologie (etwa von Carl Gustav Jung). Hier ganz knapp: In vorchristlichen und außerchristlichen Mythen, Religionen und in mystischen Lebensformen der Gegenwart gehören Spirale (manchmal auch Schnecke) und Säule zum geheimnis-vollen und geheimnis-offenen Lauf von Sonne, Mond und Sternen, zum Urleben vom weiblichen Schoß und männlichem Phallus. Wenn die Spirale sich im Uhrzeigersinn dreht, soll dies den Beginn, das Offensein für das Leben bedeuten; wenn die Spirale sich gegen den Uhrzeigersinn dreht, bedeuten sie das Ende, die Rückkehr zum Ursprung. - Das hier dargestellte Einssein von Säule und Spirale kann auch als Walten und Wehen heiligen Geistes zum Beginn des neuen Lebens wahrgenommen werden. Die Grundidee für dieses Denkmal soll das freilich wohl nicht sein. - Gleich-gültiger Relativismus oder glaub-würdige Religion. Mit Schmunzeln sagt die Hl. Hildegard von Bingen: „Engel fliegen in Spiralen, der Teufel nur geradeaus.“

Zum Glück ist auch unübersehbar und wohl auch unübergehbar auf unserem Alten Friedhof unsere Rümker Kapelle. Mit ihrer Pflege zeigt unsere St. Nikolaus-Schützenbruderschaft, wo´s lang geht mit: Glaube – Heimat – Sitte.

4. Der Waldfriedhof, der Neue Friedhof.

 

Mit dem 1. März 1963 wird nach fast einjähriger Vorarbeit und vielen Erdbewegungen der erste Teil des neuen Friedhofs, gelegen „Auf'm Hahn“, seiner Bestimmung übergeben.

Die erste Beerdigung erfolgte im März 1963 mit der bei einem Autounfall tödlich verunglückten Frau Görgens, Giesmecke.

Der neue Friedhof ist im Besitz der politischen Gemeinde und obliegt ihrer Sorge. (PfA PC, Pf. Hagemeyer, S. 53-55) – Ebenso der Alte Friedhof. – Die Kapelle wurde 1965 erbaut.

Ein Rundgang auf unserem Waldfriedhof ist wunderbar, Wunder tragend! Auch nach dem Grab-Besuch (plus Grab-Pflege) unserer Lieben, Verwandten, Freunde, Verwandten, Bekannten, Kollegen…, immer wieder erfüllt mit Erinnerungen an früher und hoffentlich zum Grußwort: „In Ewigkeit – Amen!“ Übersetzt sei das deutsche und das hebräische Fremdwort: „Hinein ins zeitlose Glück! So sei es!“ - Dann auf der Bank mit dem Handy mal Google anklicken: Zeichensprache – Symbolik – Waldbäume – Bäume. Neue Welten, Denk- und Lebensfelder! Hier nur ein Beispiel: Kirschbaum. Ein Natur-Symbol für menschliche Liebe. Der ganz weiß blühende, alles, alle anstrahlende Frühlings-Baum. Jahr für Jahr. Im Hochsommer der rot-reife alle faszinierende Kirschbaum. Schönheit durch und durch. Passt genau zur Friedhofsvisite! Genauso die anderen Bäume. – Ein exquisites, echtes Symbol auf unserem Waldfriedhof ist die Farbe Grün. Grün zeigt mit dem Gras, den Wiesen, Feldern, Wäldern: Hoffnung, dazu mit dem Blumenstrauß: Liebe; auch wer daheim einen Garten pflegt. Grün zeigt die Hoffnung zum und nach dem Weiterleben mit und in Liebe. Die erklärt ganz knapp Thomas von Aquin, 1225 – 1274, seinen Studenten in der Uni-Köln als ihr „Stummer Ochse“, so sein Spitzname: „Caritas est tibi bonum velle et tibi bonum facere – Liebe ist: ich will für dich das Gute und ich tue für dich das Gute!“ Ähnlich akzentuiert: „Liebe ist: für dich das Gute will ich und für dich das Gute tue ich!“ -

Bei einer Friedhofs-Visite im Mai 2026 eine andere kostbare Erinnerung am Grab von Lehrer Ludwig Schwefer: eine junge Frau kam vorbei, freundlich, glücklich lächelnd: „Ich erinnere mich gern an unseren Lehrer Ludwig, so sagten wir, er hat uns sehr oft eine kleine Schokolade geschenkt!“ -

Nun zur „Info-Show-Tafel: Die Zeichen-Sprache unserer Friedhofs-Bäume“ : Die kann im Jahr 2026 organisiert, konzipiert, gestaltet, unterstützt werden von: Heimatfreunde Freienohl, St. Nikolaus Schützenbruderschaft Freienohl, Fördervereine Freienohl, Politische Gemeinde -Verwaltung Freienohl… Bestens aufgestellt

 

 

Heinrich Pasternak , aktualisiert Mai 2026